Eigentlich sollte mensch Treichl dankbar sein. Nicht nur ist seine Charakterisierung der österreichsichen Politiker sehr treffend, auch andere Zitate und Analysen haben es in sich. Doch warum benötigt es einen Banker, um offen sprechen zu können?Wir blicken auf einige bewegte Jahre zurück, Banken wurden gerettet („[es sei] bemerkenswert, dass in den USA bisher 180 Banken aus dem Markt genommen worden seien, in Europa aber keine einzige. ‚Jede Pipi-Bank‘ sei gerettet worden“)[1], dem Kapitalismus einiges durchgehen gelassen („Wir haben in Österreich in den vergangenen Jahren ein hohes Ausmaß an kriminellen Aktivitäten in der Finanzdienstleistung erlebt“ & „Wir müssen uns vorwerfen, dass wir davon schon lange gewusst haben. Da hat es viele Jahre schon massiv gestunken.“) und naja eine Politik zum Zug kommen lassen, die das alles noch gut hieß.Treichl spricht und sprach vieles an, das massiv stinkt, aber wie verhält sich die Politik dazu? Das Wirtschaftsblatt berichtet über die Idee einer neuen Wirtschaftspartei, was die Presse wiederum sofort ablehnt, da dies einer weiteren Spaltung der Bourgeoisie entsprechen würde. Die Mandatare der ÖVP verleugnen Treichl zu kennen. Die SPÖ ist beleidigt, da nun doch schon überaus lange versucht wurde, die Wirtschaft an Bord zu holen. Die anderen Parteien haben zwar Hohn und Spott übrig, aber nicht im Stile eines Treichl. Derselbe entschuldigt sich bei den Politikern, die „hart für Österreich arbeiten“, ohne dabei zu sagen, dass diese nicht eventuell doch auch „zu feig und zu blöd wären“. Die Meinungsforschungsinstitute geben ihm Recht. 62% der ÖsterreicherInnen befinden seine Aussage für richtig. Wieso auch nicht. Er hat recht. Und dies sogar noch mit einer weiteren Analyse seinerseits: „Ich sehe jetzt eine riesige Gefahr dadurch, dass meine Branche relativ wenig aus der Krise gelernt hat. Denn die Chancen unfassbar schnell unfassbar viel Geld mit nicht traditionellem Geschäft zu verdienen, sind unheimlich hoch. Ich glaube, dass die nächste Krise nicht über die Immobilien, sondern über die Rohstoffe kommen wird“[2]. Ja wir steuern auf die nächste Krise zu, ja der Kapitalismus wird immer krisenhaft sein.Wo liegt nun das Problem des Kapitalismus? Etwa: „Ich sage, es gibt viele Probleme in der Wirtschaft und wir wissen nicht, wie das zu lösen ist. Diesen reinen Wein sollte man den Menschen einschenken.“ – darin? Oder bei den ärmsten der Armen: „Ich kenn‘ viele Superreiche, die tun mir alle leid, weil sie 25 Häuser auf den schönsten Plätzen der Welt haben und nicht wissen, wann sie in welches fahren sollen und mit welchem Flieger und dazwischen noch auf Yachten gehen – und dann auch noch diese entsetzliche Belastung, wenn man irgendwo mit dem Privatjet landet, dann steht einer daneben, der ist größer. Dann muss man sich wieder einen Neuen kaufen“? Oder einfach nur mehr darin, dass dieses System – sogar aus kapitalistischer Sicht – nicht mehr haltbar geworden ist: „Wer sich intensiv damit beschäftigt, muss einen Schritt machen, den man in der Medizin setzt: Wo Ärzte und Wissenschafter zugeben, dass sie es schlicht und einfach nicht wissen, wie man das löst“.Doch wir wissen wie man dies löst. Es ist gar nicht so schwierig wie Treichl tut, es ist eigentlich sehr einfach. Wir benötigen ein Wirtschaftssystem, welches für die Menschen agiert, welches von denselben bestimmt wird und welches keine Bonuszahlungen für Pleitiers benötigt. Im Grunde könnte es schon fast zu simpel klingen, aber um noch ein weiteres Zitat heranzuziehen: „Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, die Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren[…]“ – Albert Einstein[1] Sowie alle nicht extra markierten Zitate: http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/662539/TreichlZitate_Superreiche-tun-mir-alle-leid?gal=662539&index=5&direct=662376&_vl_backlink=/home/politik/innenpolitik/662376/index.do&popup=[2] http://derstandard.at/1304551930329/Treichl-Unsere-Politiker-sind-zu-bloed-und-zu-feig
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