Keine Einsparungen im Pflegebereich

von Lisa PichlerImmer mehr Details zu dem ominösen Sparpaket der SPÖVP-Regierung sickern durch. Einsparungen bei der Familienbeihilfe, im Bildungsbereich, den Pensionserhöhungen etc. kommen auf die ArbeiterInnenklasse zu.Auch wenn sich schon Widerstand regt, wird doch viel zu oft auf die weniger präsenten Teile unserer Gesellschaft vergessen, wie diejenigen unter den PensionistInnen, die pflegebedürftig sind, und selten noch die Kraft haben für ihre Rechte die Stimme zu erheben.Man mag sich, sicher nicht ganz ohne Ironie, die Frage stellen, haben diese Menschen vom Krankenbett aus die Finanzkrise verursacht, oder warum müssen gerade sie dafür zahlen? Zweifellos sind sie nicht die einzigen, die ungerechtfertigterweise für die Krise des Kapitalismus büßen müssen, aber mit großer Wahrscheinlichkeit diejenigen, die am wenigsten gehört werden! Große Belastung Nicht zu vergessen ist, dass hinter den Menschen die gepflegt werden, auch Menschen stehen die diese pflegen. Hierbei ist zwischen mobiler und stationärer Pflege zu unterscheiden. 80% aller Klienten werden mobil betreut, 20% stationär. Stationäre Pflege bedeutet, dass die zu pflegenden Menschen in betreutem Wohnungen leben, und dort vor Ort von Personal betreut werden.Die mobile Pflege hingegen verfolgt das Konzept, Menschen in ihrer gewohnten Umgebung zu pflegen und diese dort zu versorgen. In Niederösterreich waren im Jahr 2006 allein bei der Niederösterreichischen Volkshilfe in der Mobilen Pflege 650 Personen eingestellt.Ein weiterer wichtiger Fakt ist, dass fast 54% der Pflegearbeit von Angehörigen erledigt wird. Diese Menschen – zu 90% Frauen – stehen unter enormer psychischer Belastung und sind oft aus zeitlichen Gründen nicht dazu in der Lage einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen, geschweige denn, Vollzeit zu arbeiten. Berufsgruppen Es gibt einige Unternehmen und Organisationen, die mobile Pflege anbieten. Dazu zählen unter anderem die Volkshilfe, das Hilfswerk, die Caritas etc.Es gibt im großen und ganzen zwei verschiedene Berufsgruppen unter den dort Beschäftigten, die diplomierten KrankenpflegerInnen (DKP) und die HeimhelferInnen. DKP’s sollten die medizinischen Aufgaben, wie Verbandswechsel, Medikamentengabe etc. erledigen, HeimhelferInnen pflegerische Aufgaben wie beispielsweise Umlagern, Hilfe beim Bekleiden, Waschen u.v.m..Leider sieht die momentane Lage anders aus. Viele HeimhelferInnen sind überfordert mit ihrer Arbeit und müssen Aufgaben übernehmen, die eigentlich von DKP’s erledigt werden sollten. Dies liegt hauptsächlich am großen Personalmangel.  Gewerkschaft Meist wird der Beruf der Heimhilfe nicht unbedingt als ein eigenständiger qualifizierter Job angesehen. Das zieht mehrere Probleme nach sich. Durch die geringe gesellschaftliche Anerkennung fällt es den HeimhelferInnen schwer auf ihre teilweise arbeitsrechtlichen, teilweise psychischen Probleme hinzuweisen und sich in einem gewerkschaftlichen Rahmen zu organisieren.Es ist psychisch schwer belastend, wenn man in einem Bereich arbeitet, in dem einem, brutal gesagt, permanent die Patienten wegsterben. Die Mitglieder der zuständigen Gewerkschaft VIDA werden von Jahr zu Jahr weniger, was aber sicher vielfältige Gründe hat. Viele HeimhelferInnen haben das Vertrauen in die Gewerkschaft verloren. Ein Beispiel So auch die im südlichen Niederösterreich lebende und arbeitende I.T. Sie ist von einer der großen karitativen Organisation unter Vertrag genommen, und hat eine durchaus repräsentative Ansicht den Gewerkschaften gegenüber: „Der Idee einer gewerkschaftlichen Organisierung ist ja an sich interessant und auf keinen Fall abzulehnen. Aber es ist nun mal so, dass man keine Ahnung hat, inwieweit es etwas bringen sollte, diesen Beitrag abzutreten und zu zahlen. Immerhin passiert nie etwas, und die Gewerkschaft setzt sich nicht für unsere Interessen ein, oder organisiert Proteste oder sonstiges, zumindest merkt man nichts davon!“Dieses Zitat sollte der Gewerkschaft endlich einmal die Augen öffnen! Die Einsparungen im Pflegebereich treffen nun einmal nicht nur diejenigen Menschen, die pflegebedürftig sind, sondern auch ihre Angehörigen und die, die sie pflegen.Man darf sich keine Illusionen machen, das Sparpaket, und mit ihm die Kürzungen des Pflegegeldes, wird realistisch gesehen einen enormen Lohndruck in dieser Branche aufbauen. Altenpflege ist ein anspruchsvoller, psychisch belastender Job, der schlecht bezahlt wird, durch das Sparpaket wird sich die Situation mit Sicherheit stark verschlechtern. So kann nicht länger mit den Betroffenen umgegangen werden, seien es Pfleger oder zu Pflegende. Forderungen Wir fordern Betreuung durch qualifizierte, ausgeruhte Beschäftigte, die von ihrem Lohn auch leben können. Dazu müssten im Rahmen eines öffentlichen Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramms viel mehr PflergerInnen ausgebildet und eingestellt werden.Diese notwendigen Mehreinstellungen sollten durch eine deutliche höhere Besteuerung der Reichen und der Banken finanziert werden. Die Alten haben diese Krise nicht verursacht!Diese Betreuung soll dezentral in den jeweiligen Regionen passieren. Wir wollen keine Abkapselung von alten Menschen aus der Gesellschaft – eine sinnvolle Integration muss her! Zu pflegende Menschen können schwerlich für ihre Rechte auf die Straße gehen, daran zeigt sich sehr gut die Wichtigkeit des gemeinsamen Kampfes und Widerstands!Gerade dies ist die Aufgabe der Gewerkschaften! Diese müssen in eine tatsächliche Kampforganisation umgewandelt werden. Die Gewerkschaften dürfen kein abgehobener, passiver und bürokratischer Apparat sein, sondern müssen sich durch demokratische Organisierung vor Ort und einen aktiven Einsatz für die Interessen der PflegerInnen auszeichnen. Dann kann es ihnen auch gelingen, viel mehr KollegInnen in ihren Reihen zu organisieren. 

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