Die Methoden und Prinzipien einer kommunistischen Organisation

Der vorliegende Artikel ist eine stark gekürzte Fassung des Dokuments „Methoden und Grundsätze der kommunistischen Organisation“ (http://www.arbeitermacht.de/rm/rm43/methoden.htm) und dient dazu, einige in „Was tun?“ von Lenin thematisierte Punkte auf das Stadium einer kleinen kommunistischen Aufbauorganisation, in dem wir uns befinden, umzulegen und einige in der Linken umstrittenen Punkte zu thematisieren.
Bei letzteren handelt es sich um das Verhältnis zwischen Partei und ArbeiterInnenklasse, Agitation und Propaganda, sowie dem demokratischen Zentralismus als Organisationsform.

Partei und Klasse

Im Kapitalismus gibt es zwei sich gegenüberliegende Hauptklassen (Bourgeoisie und Proletariat), ebenso wie dazwischen liegende Klassen, Überreste dem Kapitalismus vorhergehender Produktionsweisen (Bauernschaft, kleine Hankwerks- und Familienbetriebe) und angehörige des Staatsapparates und ähnliche Handlanger der Bourgeoisie. In dem immerwährenden Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat, werden die anderen Klassen zwar zerrieben, hin- und hergeschoben und unterdrückt, sind jedoch im Gegensatz zum Proletariat nicht fähig das kapitalistische System zu stürzen und eine klassenlose Gesellschaft zu errichten. Das Proletariat ist also das „revolutionäre Subjekt“.
Während die kapitalistischen Produktionsbedingungen durch den Klassenkampf „von oben“ das Proletariat unweigerlich als eine Klasse „an sich“ konstituieren, braucht es mehr als den tagtäglichen Klassenkampf, um die ArbeiterInnenklasse in eine Klasse „für sich“ zu verwandeln.
Dies liegt daran, dass der alltägliche Klassenkampf von den ArbeiterInnen meist entweder gar nicht, oder als individueller Angriff einzelner KapitalistInnen auf eine bestimmte Zahl an ArbeiterInnen wahrgenommen wird. Als Klasse „für sich“ kann das Proletariat erst auftreten, wenn es die Existenz verschiedener Klassen und deren Verhältnis zu einander begreift – also wenn die ArbeiterInnen erkennen, dass sie ausnahmslos und systematisch von der Bourgeoisie ausgebeutet werden, dies im Kapitalismus auch immer so bleiben wird und sie beginnen, sich gemeinsam dagegen zu wehren.
Ein Streik der Belegschaft eines Betriebes ist daher, so kämpferisch er auch sein mag, noch kein Ausdruck des Kampfes der ArbeiterInnenklasse „für sich“.
Daher ist es die Aufgabe kommunistischer Organisationen, die objektiven Bedingungen zu analysieren, sich daraus ergebende Möglichkeiten und Gefahren festzustellen, und zu versuchen die ArbeiterInnenklasse für die notwendigen Schritte zu gewinnen, um das objektive Potential der jeweiligen Situation zu realisieren. Da es für eine kleine, isolierte Organisation nahezu unmöglich ist, realen Einfluss auf den Verlauf des Klassenkampfs zu nehmen, ist für sie das vorrangige Ziel, eine revolutionäre ArbeiterInnenpartei aufzubauen, die sich aus den fortgeschrittensten Teilen des Proletariats (also der Avantgarde) zusammen setzt und dazu fähig ist, dem Proletariat zur Revolution zu verhelfen.
Opportunistische und sektiererische Fehler, haben ihre Wurzel in einem falschen Verständnis dieses Verhältnisses zwischen Partei(/Organisation) und Klasse und im Endeffekt in einer falschen Auffassung des dialektischen Materialismus.
Ein mechanisches Verständnis des Materialismus, auch bekannt als Ökonomismus, führt sehr leicht zu „Nachtrabpolitik“ und dem aufgeben jeglichen Führungsanspruchs.
Denn der Materialismus besagt: Ein Mensch ist ein Produkt seiner Lebensumstände. Folglich ist ein anderer Mensch Produkt anderer Lebensumstände, ein veränderter Mensch, Produkt seiner veränderten Lebensumstände. Was jedoch nicht zu vergessen ist: Der Mensch an sich verändert immer wieder seine Lebensumstände, daher sind die veränderten Lebensumstände, die wiederum den Menschen verändern, manchmal Produkt seines eigenen Handelns.
Übersetzt auf die Klassenkampfverhältnisse bedeutet das: Der Kapitalismus bietet zwar viele objektive Möglichkeiten für das Proletariat, ihn zu stürzen, ergreifen muss das Proletariat diese Möglichkeiten jedoch selbst.
Dies bedeutet wiederum, dass die kapitalistische Produktionsweise allein, nicht das notwendige Bewusstsein in der Masse des Proletariats schaffen wird, das sie benötigt um ihn zu zerschlagen. Deswegen müssen KommunistInnen aktiv ihre Ideen in der ArbeiterInnenklasse verbreiten und dürfen sich nicht darauf beschränken, sich an den ökonomischen Kämpfen der ArbeiterInnenklasse zu beteiligen, Dinge zu sagen, die das Proletariat bereits weiß und Forderungen aufzustellen, die das Proletariat bereits kennt und unterstützt. (In der Hoffnung, die Revolution später dann organisieren zu können, wenn die objektiven Bedingungen sie herbeigeführt haben..)
Der ebenso falsche Umkehrschluss wäre der Subjektivismus. Diese in Wirklichkeit höchst idealistische Denkweise, die besagt, dass es möglich wäre die Revolution unabhängig von den objektiven Bedingungen herbei- und durchzuführen, ist die ideologische Basis jeglichen Sektierertums und ultralinker Politik. Für gewöhnlich lehnen es solche Strömungen ab, taktische Kompromisse einzugehen, um ihr revolutionäres Programm verbreiten zu können. Dies resultiert dann beispielsweise in der Weigerung an bürgerlichen Wahlen teilzunehmen (weil man ja weiß, dass sie keine realen Veränderungen bewirken), in reformistischen Gewerkschaften aktiv zu sein oder die Einheitsfronttaktik anzuwenden. In extremeren Fällen, artet diese Ideologie in individuellem Terrorismus aus.
Selbstverständlich sind die hier skizzierten Verhaltensweisen und Positionen nur überspitzt formulierte Ausformungen dieser Fehler, es gibt auch einen weiten Spielraum dazwischen. Oft werden von zentristischen Strömungen auch Subjektivismus und Objektivismus kombiniert und zu einer wirren, eklektischen Theorie fusioniert.
Aber gehen wir nun über von diesen allgemeinen Prinzipien zu den Methoden mit denen wir unsere Ziele zu den Zielen der ArbeiterInnenklasse weltweit machen wollen:

Propaganda und Agitation

Wie oben beschrieben, ist es für uns im jetzigen Aufbaustadium vorrangig, unsere Ideen zu verbreiten, um dadurch so viele wie möglich, für den revolutionären Kommunismus zu gewinnen. Dafür ist es essentiell sowohl propagandistisches, als auch agitatorisches Material zu produzieren und damit exemplarisch in Betriebskämpfe, soziale Bewegungen etc. zu intervenieren. Die marxistische Definition ist hierbei: Propaganda – viele Ideen, für wenige LeserInnen; Agitation – wenige Ideen, für viele LeserInnen.
Man kann und sollte zu jedem Thema sowohl propagandistische als auch agitatorische Publikationen haben. So wären etwa längere theoretische Artikel, Broschüren und Bücher in den Bereich Propaganda einzuordnen, während Agitation eher in Flugblättern und dergleichen zu finden ist.
Entgegen des weitverbreiteten Gerüchts ist es jedoch nicht so, dass Agitation ein bloßer Aufruf zum Handeln sei, während Propaganda sich mit dem Thema auseinandersetze ohne konkrete praktische Schlussfolgerungen daraus zu ziehen bzw. Losungen zu entwickeln.
Ein gelungener propagandistischer und agitatorischer Output zum Thema WTO würde etwa folgendes beinhalten:

Zuerst einmal müsste über die WTO und ihre Funktionen recherchiert werden und deren Charakter analysiert werden, wie beispielsweise die Natur der „Freihandelsbestimmungen“ und deren Auswirkungen auf die halbkoloniale Welt, wie es dazu beiträgt die imperialistische Unterdrückung in diesen Ländern aufrecht zu erhalten, wie dies dem Kapitalismus in seiner niedergehenden Epoche nun mal eigen ist.
PropagandistInnen würden dann in Zeitungsartikeln etwa diese Analyse erklären und sie dabei mit Beispielen versehen um die Notwendigkeit der Abschaffung der WTO zu unterstreichen.
AgitatorInnen würden entweder in Reden oder Flugblättern ein bis zwei Beispiele hernehmen, wie etwa der von der WTO verursachte Ruin der Kleinbauern in Afrika, oder die enorme Ausbeutung der FabriksarbeiterInnen in China den enormen Profiten der KapitalistInnen gegenüberstellen und aufzeigen, wie all dies durch die Gesetze der WTO unterstützt wird. Bei Agitation geht es also durchaus darum emotionale Reaktionen angesichts der Ungerechtigkeit des kapitalistischen Systems zu schüren.
Doch alle diese Formen von Propaganda und Agitation müssen gleichzeitig auch ein Aufruf dazu sein, militant gegen die WTO und den Kapitalismus an sich zu protestieren.

Organisation und Strukturen

Die Organisationsform ergibt sich aus den Zielen, die die Organisation erreichen möchte und aus den Verhältnissen, in denen sie arbeitet. Deswegen kann es keine in Stein gemeißelte, ewig passende Organisationsform geben. Es gibt jedoch einige Gemeinsamkeiten, die alle kommunistischen Organisationen, zu welcher Zeit und an welchem Ort sie auch immer operieren, haben sollten.
Jede kommunistische Organisation muss auf einem revolutionären Programm basieren, und keinen Millimeter davon abweichen, fähig sein die oben genannten Aufgaben (Analyse der politischen & ökonomischen Lage + Schlussfolgerungen, Ausarbeitung und Verbreitung von Propanganda & Agitation..) zu erfüllen, dazu in der Lage sein Mitglieder zu schulen und weiterzuentwickeln, verschiedene Arbeitsfelder miteinander zu verbinden und sich an die ständigen Veränderungen der Klassenkampfbedingungen anpassen.
Die Organisationsform die das alles am besten gewährleisten kann, ist der demokratische Zentralismus.
Das bedeutet, die größtmögliche Demokratie in der internen Diskussion zu haben, gleichzeitig aber demokratisch gefällte Beschlüsse geeint und bindend umzusetzen.
Demokratie und Zentralismus stehen jedoch keineswegs in einem Gegensatz zueinander: Denn der Zentralismus ist nur dazu da, zu gewährleisten, dass Mehrheitsentscheidungen auch durchgeführt werden, also um die Demokratie zu „beschützen“. Denn wären die Mitglieder nach einer Entscheidung nicht daran gebunden sich an diese zu halten, sondern könnten tun, was sie wollten, so würde jegliche Demokratie ihren Wert verlieren. Der Zentralismus ist also der Schutzengel der Demokratie.