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Das schwarze Loch der Gewerkschaft?

Die Lage der Lohnabhängigen im IT-Sektor und die Rolle der Gewerkschaften


 

Von Gustav Göttlinger

 

 

Der IT-Sektor ist das Stiefkind bei der Gewerkschaft für Privatangestellte GPA-djp. Jahrelang sind die Beschäftigten der IT-Branche bei den IST-Lohnerhöhungen nun schon leer ausgegangen. Und auch die KV-Verhandlungen für die IT-Beschäftigten im Herbst 2009 brachten wieder ein mageres Ergebnis.


Löhne runter…


Es gab wieder nur Erhöhungen bei den Mindestlöhnen und 10 Prozent Zuschlag auf den 13. und 14. Gehalt für alle Beschäftigten für 2010. Das Jahr 2009 wurde gleich gar nicht verhandelt, die IST-Löhne wurden wieder nicht erhöht, und das schon ununterbrochen seit dem Jahr 2000.

Aber gerade die IST-Löhne sind es, die die Lohnabhängigen der IT-Betriebe interessieren, da über 90 Prozent davon betroffen sind. Die Mindestlöhne machen gerade einmal 10 Prozent aus. Das heisst im Klartext, dass nur jeder zehnte Beschäftigte im IT-Sektor heuer eine Lohnerhöhung bekommt, der Rest geht wieder einmal leer aus, und eigentlich verlieren die Beschäftigten sogar dabei. Denn durch die jährliche Inflation ergibt das in Summe über die letzten Jahre einen Reallohnverlust von bis zu 15% für die Beschäftigten im IT-Sektor! Immerhin gab es beim Weihnachts- und Urlaubsgeld eine Erhöhung von 10 Prozent für alle.

Ein weiterer Aspekt der getroffenen Einigung wird von der GPA-djp nicht so groß hervorgehoben, nämlich die die Arbeitszeit betreffenden Regelungen. Die tägliche Normalarbeitszeit kann auf 10 Stunden erhöht werden, was sich auf den Anspruch von Überstundenzuschlägen negativ auswirkt. Bei Schichtarbeit kann der Durchrechnungszeitraum auf 56 Stunden ausgedehnt werden. Und bei Teilzeitkräften wird der Zuschlag bei Mehrarbeit auf 4 Monate durchgerechnet. Das waren wohl die Zugeständnisse an die Unternehmer, um dieses dürftige Ergebnis überhaupt einfahren zu können.


aber Profite rauf?


Aber schaut man sich die Geschäftsbilanzen der IT-Betriebe an, kann man sehen, dass es hier sehr wohl genug zum Verteilen gäbe. Aber offenbar nicht für die ArbeiterInnenklasse, sondern nur für die KapitalistInnen. Die wichtigsten Unternehmen des IT-Sektors in Österreich haben seit 2005 ihre Gewinne um 87,4 Prozent steigern und 2007 einen Jahresüberschuss von 50 Millionen Euro erwirtschaften können.

Für die Beschäftigten würde sich die Erfolgsgeschichte der Unternehmen aber anders lesen: Im Durchschnitt sei der Personalaufwand pro Kopf in den vergangenen zwei Jahren nur um 3,2 Prozent gestiegen, so die AK.


Und die Gewerkschaft?


Die Gewerkschaftsführung setzte sich bislang kaum ernsthaft für Lohnerhöhungen im IT-Sektor ein. Bis auf ein paar kleinere PR-Aktionen, wie die Verleihung einer gelben Zitrone an den Fachverband Unternehmensberatung und Informationstechnologie UBIT in der Wiener Hofburg, oder die „Belagerungen“ der WKO-Zentrale durch eine Handvoll Gewerkschaftsfunktionären, gab es kaum mehr als laue Drohungen von Seiten der Gewerkschaftsführung.

Dabei wäre die Stimmung reif gewesen für einen Streik, wenn die GewerkschaftsvertreterInnen nur bereit dazu gewesen wären. Bei der IT-Beschäftigtenkonferenz im Wiener Austria Center im Herbst 2009 waren ca. 1.200 Teilnehmer erschienen, die die gewerkschaftliche Forderung nach einer IST-Gehaltserhöhung vollinhaltlich unterstützten. Zusätzliche haben 6.000 IT-Beschäftigte für die Umsetzung dieser Forderungen unterschrieben. Es kamen auch dutzende Betriebsräte von anderen Branchen zur Veranstaltung, um ihre Solidarität mit den IT-Angestellten zu zeigen. Die Stimmung war kämpferisch aber diszipliniert, der Saal brodelte, doch die Gewerkschaft konnte oder wollte diese grossartige Situation nicht nutzen und machte wieder einmal einen Rückzug.

Anstatt die Gelegenheit für einen grossen Warnstreik zu nützen, liesen die Gewerkschaftsvertreter diese Chance aus und begnügten sich damit den Arbeitgebern mit einem Besuch des Arbeitsinspektors zu drohen. "Die heutige Aktion wird nicht die letzte bleiben, wir werden die Beschäftigten der IT-Branche auch weiterhin mit den geeigneten Mitteln bei der Durchsetzung einer Ist-Erhöhung unterstützen. Uns bekannte Unternehmungen mit permanenten Arbeitszeitübertretungen oder mangelhaft vergüteten Mehrarbeits- und Überstunden werden ab sofort dem Arbeitsinspektorat bzw. den Gebietskrankenkassen gemeldet. Weitere Aktionen in den größeren Städten sind in Vorbereitung", so Bundesgeschäftsführer der GPA-djp Karl Proyer. Doch weder kamen danach die grosspurig angekündigten Aktionen der Gewerkschaft noch wurde die Forderung nach IST-Lohnerhöhung von den Arbeitgebern umgesetzt.

Auch GPA-djp Vorsitzende Wolfgang Katzian zeigte sich bei der Konferenz noch kämpferisch: „Die Mitarbeiter der IT-Branche lassen sich nicht alles gefallen. Es ist längst an der Zeit, die IT-Branche, was die Behandlung der Beschäftigten betrifft, aus der Schmuddelkinder-Ecke rauszuholen! Doch passiert ist seither nichts mehr und die IT–Branche steht nach wie vor in dieser „Schmuddelkinder-Ecke“ und schmollt. Die kämpferische Stimmung, die noch im Herbst 2009 unter den IT-Beschäftigten geherrscht hat, ist verflogen und es blieb nur Entäuschung und Resignation über.

Die Gewerkschaft hat es wieder einmal nicht geschafft, sich für ihre Basis einzusetzen und zu kämpfen. Dadurch hat sie den UnternehmerInnen geholfen, noch mehr Geld an die AktionärInnen und ManagerInnen auszuzahlen.

Ca. 50.000 Facharbeitskräfte sind in der IT-Branche beschäftigt, davon sind 38.000 fest angestellt. Die restlichen 12.000 Leute arbeiten als freie Dienstleister, die wenigsten sind davon gewerkschaftlich organisiert, doch genaue Zahlen fehlen.

Eigenartig für die Branche ist auch der Umstand, dass es nicht einmal für Gewerkschaftsmitglieder eine Mailingliste gibt, ein Armutszeugnis gerade für die IT-Branche, wo elektronische Kommunikation eine Selbtverständlichkeit ist.


Basisbewegung


Die IT-Branche ist ein Stiefkind in der GPA.djp. Und sie wird es auch weiter bleiben, wenn es keinen radikalen Kurswechsel bei der Gewerkschaft gibt.

Es ist notwendig, eine Basisbewegung aufzubauen, um die Gewerkschaften von der Vorherrschaft der Bürokratie zu befreien und wieder zu einem Instrument des Kampfes für die Interessen der ArbeiterInnen zu machen. Wir brauchen wieder eine Gewerkschaft, die von der Basis kommt und für die Basis arbeitet. Aber keine abgehobenen Funktionäre, die es sich am Futtertrog der Macht mit unseren Mitgliedsbeiträgen richten und die gesamte ArbeiterInnenklasse für eine Handvoll Silberlinge verraten!

Wir von der LSR treten für den Aufbau einer basisdemokratischen Gewerkschafts-Fraktion ein, deren VertreterInnen von der Basis gewählt werden und jederzeit wieder abwählbar sind. Hilf mit, werde aktiv!

 

 


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