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Vor 30 Jahren: Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan


 

Von Tuna Akbıyık


Afghanistan ist eines der wirtschaftlich und sozial rückständigsten und von Krieg am meisten verwüsten Länder der Welt. Das Land wurde 1747 von Stammesführern der dominierenden Paschtunen gegründet. Sie wählten einen Emir, Ahmed Shah Durrani, dessen Dynastie Afghanistan bis 1973 beherrschte.

1978 kam die Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) an die Macht. Die Partei setzte sich aus Teilen der Intellektuellen und Militärs zusammen, basierte auf einem stalinistischen Model. Sie war aber aufgrund von Fraktionskämpfen gespalten. Das DVPA-Programm bestand aus einer Reihe von demokratischen Reformen und strebte die Zusammenarbeit mit der UdSSR an. Die Partei wurde vom König bis 1973 verfolgt und von Daoud und dem Schah von Iran in Zusammenarbeit mit der CIA bekämpft.


Machtergreifung 1978


Die Ergreifung der Macht wurde von der Bevölkerung in den Städten massiv unterstützt. Der Putsch wurde aber nicht von der Bürokratie in Moskau organisiert. Der UdSSR kam Afghanistans Rolle als Pufferstaat gelegen, somit unterstützte man das Land, was aber dazu führte, dass sich große Teile der Militärs und der staatlichen Bürokratie der Sowjetunion zuwandten.

Konflikte innerhalb der DVPA und die repressive und bürokratische Natur des Reformprogramms in Verbindung mit der imperialistischen Bedrohung brachten das Regime im Jahr 1979 ins Wanken. Es war das direkte Ergebnis der stalinistischen Politik der DVPA, was bewies, dass die DVPA nicht fähig war die unterdrückten Schichten der afghanischen Gesellschaft gegen die reaktionären Interessen zu mobilisieren. Die Reformen waren ausreichend, um die Landbesitzer und Mullahs zu provozieren, aber nicht radikal genug, um von der armen ländlichen Bevölkerung Unterstützung zu bekommen. Sie stellten nicht genügend militärische und materielle Ressourcen zu Verfügung und wurden in bürokratischer Art und Weise vollzogen.

Dies verhinderte die Organisierung der Massen und führte zu einem Bürgerkrieg, in welchem die islamistischen und monarchistischen Kräfte die von Fraktionskämpfen geschwächte DVPA komplett zerstörten.


Einmarsch 1979


Die Sowjetunion besetzte Afghanistan, um ein ihr sympathisches Regime zu erhalten und um die imperialistischen Pläne zu zerstören, welche zum Ziel hatten, Afghanistan zu einem anti-kommunistischen Vorposten gegen die UdSSR zu machen und die islamistische Reaktionäre in Zentralasien zu stärken. Die sowjetische Bürokratie organisierte daher die Invasion um ihre eigenen Interessen zu schützen.

Die Invasion fand zu einem Zeitpunkt statt, in welchem der US-Imperialismus Verluste einsteckte (Iran), der Wahl des Kalten Kriegs-Politikers Reagan zum US-Präsidenten und des Endes von Carters Entspannungspolitik. Somit wurde der afghanische Bürgerkrieg zum Brennpunkt der erneuerten Aggression des Imperialismus gegen die Sowjetunion.

Während der Besetzung Afghanistans zum Schutz der eigenen Interessen stattfand, war die Kreml Bürokratie dazu gezwungen auf der Seite der fortschrittlichen Kräfte des Bürgerkriegs – d.h. auf der Seite der DVPA – zu intervenieren, hatte aber kein Interesse das Reformprogramm der DVPA zu verteidigen oder gar zu erweitern. Abgesehen davon attackierte die sowjetische Armee die islamistischen Rebellen, was wenigstens dem Schutz der geschwächten fortschrittlichen Kräfte diente. Dies war die einzige positive Konsequenz der Invasion.


US-Hilfe für Islamlisten


Die Mudschahidin wurden von den imperialistischen Mächten, allen voran den USA, von Anfang an bestens ausgerüstet und strategisch positioniert, um sie als Werkzeug gegen die afghanische Regierung und die sowjetische Armee zu benützen. Die militärische Hilfe von Seiten der USA betrug über eine Milliarde US Dollar.

Abgesehen davon waren die Rebellentruppen eine uneinheitliche Kraft, welche sich aus Monarchisten, von welchen einige von Saudi Arabien unterstützt wurden, und islamistischen Extremisten rund um Osama Bin Laden, welche ihre Unterstützung aus dem Iran erhielten, zusammensetzte. Die islamistischen Elemente wurden zusätzlich durch Konflikte zwischen den Sunniten und Schiiten geschwächt.

Aus diesen Gründen waren die Rebellen nicht dazu fähig, siegreich aus diesem Konflikt hervorzugehen, denn sie konnten sich nicht über die Form des feudalen Systems, welches sie anstrebten, einigen. Trotzdem waren sie aufgrund ihrer militärischen Schlagkraft den Sowjets aber durchaus ein Dorn im Auge.


Sowjetischer Rückzug 1989


Die Kreml-Bürokratie erkannte, dass sie den Krieg nicht so schnell wie sie dachte gewinnen konnte. Mit der Ankündigung, die Truppen zu einem bestimmten Zeitpunkt abzuziehen, überließ man Pakistan und dessen Unterstützer, die USA, die Frage, welche politische Richtung Afghanistan nun einschlagen würde.

Moskau hoffte, den Zustand von 1973 wiederherzustellen, d.h. ein neutrales Afghanistan zu errichten. Dieses Projekt war eine ähnlich fatale Utopie wie die Vorstellung einer „friedlichen Koexistenz“ mit dem Imperialismus und bedeutete einen Verrat an der afghanischen Arbeiterklasse und allen fortschrittlichen Kräften. 1988 begann die UdSSR ihre Truppen zurückzuziehen, gestand 1989 ihre Niederlage ein und hinterließ über eine Million Tote.

Als TrotzkistInnen lehnen wir den militärischen Einmarsch zur „Befreiung“ von Völkern ab, sofern in diesen keine starke kommunistische Massenbewegung dafür eintritt. Nationalistische Ablehnung gegenüber den Besatzern wiegen oft stärker, als die durch einen solchen Einmarsch ermöglichten sozialen Verbesserungen. Wir befürworten das Aufbauen einer internationalen ArbeiterInnenpartei, welche die ArbeiterInnenklasse der einzelnen Länder organisiert, um in jedem Land das Überwinden der KapitalistInnen-Diktatur zu erreichen. Der Afghanistan-Einmarsch der UdSSR ist ein Beispiel für eine gescheiterte politische Konzeption des Sozialismus. Anstatt eine sozialistische Gesellschaft von unten aufzubauen, war das Verständnis der stalinistischen Bürokratie eines der Aufzwingung von oben – wie ihre Politik in Osteuropa und eben auch Afghanistan unter Beweis stellt.


 
 
 
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