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Die Nationalflagge und die rot-weiß-rote KPÖÜber die Gründe, warum die KPÖ eine patriotische Partei ist und wir nichtVon Michael Pröbsting Kürzlich veröffentlichte die steirische KPÖ eine Stellungnahme, in der sie ihre Befürchtung über die Herabwürdigung der österreichischen Nationalfahne und den „nationalen Nihilismus“ Ausdruck verleiht. (1) Diese Stellungnahme zeigt einmal mehr den zutiefst rückschrittlichen, patriotischen Pseudo-Kommunismus der KPÖ, der mit dem Kommunismus in der Tradition eines Marx, Engels und Lenins nichts gemeinsam hat. Anlaß der KPÖ-Stellungnahme war die Einholung der rot-weiß-roten Nationalflagge am österreichisch-slowenischen Grenzort Spielfeld. „Man darf die Symbolkraft des Einholens der eigenen Nationalflagge nicht unterschätzen. Deshalb sieht die steirische KPÖ im Verschwinden der Rot-weiss-Roten Fahne an den Grenzen zu Slowenien den vorläufigen Höhepunkt einer negativen Entwicklung, die mit dem EU-Anschluss Österreichs eingesetzt hat. Der Erlass zum Einholen der Nationalfahne soll offenbar suggerieren, dass die blaue Flagge mit den gelben Sternen der EU mehr wert wäre als die staatlichen Symbole Österreichs.“ Die Stellungnahme endet mit der Schlußfolgerung: „Deshalb wendet sich die steirische KPÖ entschieden gegen das Einholen der rot-weiß-roten Fahne an der Grenze. Wir haben großes Verständnis für die Verärgerung der Grenzpolizisten und fordern die Rücknahme des Fahnenerlasses. Als Zeichen des Protestes gegen den nationalen Nihilismus unserer Regierenden führt die steirische KPÖ auch heuer wieder am Nationalfeiertag eine Festveranstaltung in Rot-Weiß-Rot durch. Ort des Treffens am 26. Oktober, bei dem der Kampf um die Verteidigung der Neutralität im Vordergrund stehen wird, ist diesmal Leoben.“ Diese Stellungnahme ist in jeder Hinsicht eine Schande für eine sich als kommunistisch bezeichnende Organisation! Die steirische KPÖ fordert doch tatsächlich, die Fahne Österreichs an der Grenze zu Slowenien zu hissen, also die Fahne jenes Staates, der bis zum heutigen Tag im eigenen Land die slowenische Minderheit diskriminiert. Das ist nichts anderes als unverfrorener österreichischer Chauvinismus gegenüber den Slowenen! So gering das Verständnis der steirischen KPÖ für die Slowenen ist, so groß ist dafür ihr „Verständnis für die Verärgerung der österreichischen Grenzpolizisten“. Daß die Polizisten Teil des kapitalistischen Staates sind, daß sie zu jenem Repressionsapparat gehören, der tagtäglich versucht, Flüchtlinge festzunehmen und abzuschieben, die in äußerster Not und Verzweiflung versuchen nach Österreich zu kommen, daß die rot-weiß-rote Fahne das Symbol genau dieses reaktionären Staates ist … all das zählt für die rot-weiß-roten „KommunistInnen“ nicht. Aber diese austro-patriotische Stellungnahme ist kein einmaliger Ausrutscher, sondern entspricht der politischen Haltung der reformistischen Partei KPÖ. Wem gehört der österreichische Nationalstaat? Die Stellungnahme der steirischen KPÖ zeichnet sich durch eine patriotische, nationalistische, klassenübergreifende Denkweise aus. Wir von der Liga der Sozialistischen Revolution (LSR) sind hingegen der Meinung, daß wirkliche KommunistInnen ihre Weltanschauung auf der Grundlage der marxistischen Klassenanalyse begründen müssen. Der österreichische Nationalstaat (inklusive seiner Symbole wie der Nationalflagge) hat daher keinen neutralen, klassenunspezifischen Charakter. Clara Zetkin, eine wichtige Vorkämpferin der revolutionären ArbeiterInnenbewegung und Gründerin der proletarischen Frauenbewegung in Deutschland, wies schon 1907 darauf hin, daß „der gegenwärtige Nationalstaat der kapitalistische Klassenstaat ist“ (2) Für marxistisch denkenden Menschen ist klar, daß der österreichische Nationalstaat der Staat der herrschenden Klasse, der imperialistischen Bourgeoisie Österreichs, ist. In diesem Land regiert und herrscht die Kapitalistenklasse, die Eigentümer der Firmen, gemeinsam mit ihren Handlangern, der Politikerkaste. Diese Klasse – und insbesondere ihre oberste Schicht, die Monopolkapitalisten – konzentriert in ihren Händen eine ungeheure Masse an Reichtum. Alleine das oberste 1% der erwachsenen Bevölkerung – das sind 60.000 Menschen – besaß im Jahre 2002 318 Milliarden Euro, das waren damals 34% des geschätzten Gesamtvermögens in Österreich. Dies ist mehr als die unteren 90% der Bevölkerung besitzen! Dieser Reichtum der Kapitalistenklasse beruht einerseits auf der Ausbeutung der heimischen ArbeiterInnenklasse, was sich u.a. in einem seit Jahrzehnten sinkenden Anteil der Löhne und einem damit einhergehend steigenden Anteil der Unternehmergewinne am Volkseinkommen niederschlägt. So konnten die Kapitalisten den Anteil der Gewinne von weniger als 22% (1978) auf fast 34% (2006) steigern, während parallel dazu der Anteil der Bruttolöhne deutlich sank. Weiters bezieht die österreichische Bourgeoisie enorme Extraprofite, die das Kapital einerseits aus seinem massiven Kapitalexport in Osteuropa einstreifen konnte (in einer Reihe von osteuropäischen Ländern gehört das österreichische Kapital zu den drei größten Auslandsinvestoren) und andererseits die Extraprofite, die aus der Überausbeutung der wachsenden Anzahl von MigrantInnen im Inland stammen. Österreich ist daher ein imperialistischer Unterdrückerstaat, welcher einen Gutteil seines Reichtums aus der Ausbeutung von Völkern halbkolonialer Staaten bzw. deren ArbeitsmigrantInnen bezieht. Daraus folgt, daß die Nationalflagge Österreichs das nationale Symbol dieses imperialistischen Unterdrückerstaates ist. Wirkliche KommunistInnen betrachten daher diese Nationalflagge nicht als die ihre und fordern daher schon gar nicht das patriotische Hissen der rot-weiß-roten Fahne an den Grenzen Österreichs. Marx, Engels und das Vaterland Die Stellungnahme der steirischen KPÖ zeigt einmal mehr, daß nicht überall, wo kommunistisch draufsteht, auch kommunistisch drinnen ist. Für wirkliche Kommunistinnen und Kommunisten gilt der internationalistische Grundsatz, den Marx und Engels bereits im Kommunistischen Manifest darlegten: „Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben.“ (3) Damit leugnen die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus keineswegs, daß es unterschiedliche Nationalitäten gibt. Sie betonen nur, daß für die ArbeiterInnenklasse ihre nationale Zugehörigkeit unwichtig ist gegenüber ihrer alle Grenzen überschreitenden gemeinsame Klasseninteressen. (4) Die ArbeiterInnenklasse muß daher den gemeinsamen Interessen und den gemeinsamen Kampf in den Vordergrund stellen anstatt ihre nationale Unterschiede zu betonen. Mehr noch als das: Die Nationalität und die Phrase der Vaterlandszugehörigkeit wird von seiten der herrschenden Klasse herangezogen, um die Lohnabhängigen am Arbeitsplatz gegeneinander auszuspielen, um so zum Beispiel die Löhne drücken zu können. Oder aber auch, um sie als Kanonenfutter für ihre Machtinteressen gegenüber den ihnen feindlich gesonnen Bourgeoisien und Regierungen anderer Länder zu benutzen und damit massenhaft in den Tod gehen zu lassen. Dies meint Marx, wenn er schreibt: „Die Nationalität des Arbeiters ist nicht französisch, nicht englisch, nicht deutsch, sie ist die Arbeit, das freie Sklaventum, die Selbstverschacherung. Seine Regierung ist nicht französisch, nicht englisch, nicht deutsch, sie ist das Kapital. Seine heimatliche Luft ist nicht die französische, nicht die deutsche, nicht die englische Luft, sie ist die Fabrikluft. Der ihm gehörige Boden ist nicht der französische, nicht der englische, nicht der deutsche Boden, er ist einige Fuß unter der Erde.“ (5) Lenin und der imperialistische Nationalstaat Mit dem Eintritt in das Zeitalter des niedergehenden Kapitalismus – der Epoche des Imperialismus – hat die nationale Frage eine besondere Bedeutung erhalten. Lenin, der Begründer der Kommunistischen Internationale, betonte, daß sich in der imperialistischen Epoche die Welt in herrschende und beherrschte Nationen teilt. Die reichen, imperialistischen Nationen sind die herrschenden, die große Mehrheit der Völker hingegen wird von den imperialistischen Staaten beherrscht. Die Verteidigung des eigenen Nationalstaates, der Kampf für nationale Rechte ist daher seitens der ArbeiterInnen jener Nationen, die bereits im Weltsystem eine beherrschende, dominierende Rolle einnehmen, zutiefst reaktionär. Die Verteidigung des eigenen Nationalstaates, der Kampf für nationale Rechte seitens der ArbeiterInnen jener Nationen, die im Weltsystem eine beherrschte, dominierte Rolle einnehmen, ist hingegen fortschrittlich (wobei KommunistInnen gleichzeitig immer gegen jeden Nationalismus auftreten, um den gemeinsamen internationalen Klassenkampf nicht zu erschweren). (6) In diesem Sinne schrieb Lenin: „Der Imperialismus ist die fortschreitende Unterdrückung der Nationen der Welt durch eine Handvoll Großmächte. (…) Eben deshalb muß die Einteilung der Nationen in unterdrückende und unterdrückte den Zentralpunkt in den sozialdemokratischen Programmen bilden, da diese Einteilung das Wesen des Imperialismus ausmacht und von den Sozialpatrioten, Kautsky inbegriffen, verlogenerweise umgangen wird. Diese Einteilung ist nicht wesentlich vom Standpunkt des bürgerlichen Pazifismus oder der kleinbürgerlichen Utopie der friedlichen Konkurrenz der freien Nationen unter dem Kapitalismus, aber sie ist eben das Wesentlichste vom Standpunkt des revolutionären Kampfes gegen den Imperialismus.“ (7) Daraus ergibt sich, daß jegliche Unterstützung oder Verteidigung des Nationalstaates einer der herrschenden, imperialistischen Nationen für KommunistInnen in keinster Weise gerechtfertigt ist. Den imperialistischen Nationalstaat verteidigen, heißt in Wirklichkeit bewußt oder unbewußt die imperialistische Bourgeoisie zu unterstützen. Die Symbole des imperialistischen Nationalstaates verteidigen, wie das z.B. die steirische KPÖ in ihrer Stellungnahme macht, heißt in Wirklichkeit bewußt oder unbewußt ideologische Dienste für die imperialistische Bourgeoisie Österreichs zu leisten. Was Lenin 1916 über die fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern Europas schrieb, gilt ebenso für das imperialistische Österreich: „Wovon ist die Rede, wenn man sagt, daß die Formen des Nationalstaats zu Fesseln geworden sind usw.? von den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern, vor allem von Frankreich, Deutschland und England, durch deren Teilnahme am gegenwärtigen Krieg dieser Krieg in erster Linie zu einem imperialistischen Krieg geworden ist. In diesen Ländern, die die Menschheit bisher, besonders in der Zeit von 1789 bis 1871, vorwärtsgeführt haben, ist der Prozeß der Bildung von Nationalstaaten beendet, in diesen Ländern gehört die nationale Bewegung unwiederbringlich der Vergangenheit an; sie wiederbeleben zu wollen wäre eine sinnlose, reaktionäre Utopie. Die nationale Bewegung der Franzosen, Engländer und Deutschen ist seit langem zum Abschluß gekommen; auf der Tagesordnung der Geschichte steht hier etwas anderes: Nationen, die einst um ihre Befreiung kämpften, sind zu Unterdrückernationen geworden, zu Nationen des imperialistischen Raubes, die am ‚Vorabend des Untergangs des Kapitalismus‘ stehen.“ (8) Die Sozialdemokratie, die zwar in Worten stets den Sozialismus hochleben ließ, in Taten aber am offensichtlichsten seit 1914 dem kapitalistischen Staat diente und die ArbeiterInnenklasse verriet, rechtfertigte ihre Politik der Unterstützung der eigenen, nationalen Bourgeoisie oft mit Hinweisen auf Marx. Dieser hatte Mitte des 19. Jahrhunderts die nationalen Einigungsbestrebungen der Deutschen und anderer Völker unterstützt. Lenin wies aber zu Recht darauf hin, daß sich der Kapitalismus nicht mehr in seiner Blüte befindet – dem Zeitalter, wo die Herausbildung größerer Nationalstaaten zur besseren Entwicklung der Produktivkräfte führte und somit auch für die eigenen ArbeiterInnenklasse bessere Kampfbedingungen brachte. Vielmehr ist der Kapitalismus mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in sein Niedergangstadium eingetreten. Der Kapitalismus der reichen, herrschenden Nationen ist durch und durch reaktionär. Das imperialistische Kapital strebt danach, sich die ganze Welt Untertan zu machen und auszubeuten. Nationalstaat und Patriotismus dieser imperialistischen Nationen sind in jeder Hinsicht rückschrittlich und müssen von KommunistInnen beharrlich bekämpft werden. Nur der Kampf der unterdrückten Völker gegen eben diese imperialistischen Nationen hat einen fortschrittlichen Charakter. Lenin schrieb daher: „Wer sich jetzt auf Marx’ Stellungnahme zu den Kriegen in der Epoche der fortschrittlichen Bourgeoisie beruft und Marx Worte „Die Arbeiter haben kein Vaterland” vergißt - diese Worte die sich gerade auf die Epoche der reaktionären, überlebten Bourgeoisie beziehen, auf die Epoche der sozialistischen Revolution - der fälscht Marx schamlos und ersetzt die sozialistische Auffassung durch die bürgerliche.“ (9) Die rot-weiß-rote KPÖ Als die Kommunistischen Parteien in den 1930er Jahren unter Stalins Führung zu reformistischen Parteien wurden, schwangen sie sich zu Einpeitschern des Patriotismus und Verteidigerinnen des imperialistischen Vaterlandes auf. Sie erklärten, daß sie besser und konsequenter das Vaterland verteidigen könnten als die herrschende Klasse. Letztere war für diese patriotischen Dienste durchaus dankbar und ließ die Kommunistischen Parteien erstmals in die bürgerlichen Regierungen eintreten. In Österreich unterstrich die KPÖ ihren Patriotismus, indem sie 1938 die Parole „Rot-Weiß-Rot bis in den Tod!“ ausgab und zur Verteidigung des austro-faschistisch beherrschten Vaterlandes unter dem Diktator Schusschnigg gegen Hitler-Deutschland aufrief. Während tausende einfache KommunistInnen während des II. Weltkrieges heldenhaft gegen die Nazis kämpften, mißbrauchten die Stalin-Bürokratie und die KPÖ-Führung um Parteichef Johann Koplenig deren Einsatz dazu, um den kapitalistischen Staat Österreich wieder zu errichten. Die Hoffnungen vieler radikaler ArbeiterInnen nach 1945 in die KPÖ, daß diese eine antikapitalistische Politik verfolgen würde, wurden daher enttäuscht. Die KPÖ bildete vielmehr gemeinsam mit der SPÖ und der ÖVP eine Koalitionsregierung. Als die schärfste Krise der unmittelbaren Nachkriegsjahre vorbei war, hatte die KPÖ als „nützlicher Idiot“ für die Bourgeoisie ihre Funktion erfüllt und wurde im November 1947 aus der Regierung gedrängt. (10) Ungeachtet dessen hat die KPÖ sich seitdem immer als staatstragende, patriotische Partei gebärdet und verstand sich als Verteidigerin eines möglichst starken, unabhängigen, neutralen Österreichs. Doch dieses „unabhängige, neutrale Österreich“ war und ist nichts anderes als ein imperialistischer Nationalstaat, der von einem imperialistischen Monopolkapital beherrscht wird. Dieser patriotische Geist führte auch dazu, daß die KPÖ ihrem 1982 veröffentlichten Parteiprogramm den Titel "Sozialismus in Österreichs Farben" gab. Dieser national gefärbte Sozialismus hatte zur Konsequenz, daß die KPÖ den Kampf für die möglichst starke, eigenständige Position der eigenen imperialistischen Nation gegen die anderen, ausländischen Nationen – zuerst v.a. die USA und Deutschland, seit den 1980er Jahren v.a. die Europäische Union – in Vordergrund schob. Der "Sozialismus in Österreichs Farben" bedeutete in Wirklichkeit die Verteidigung des imperialistischen Österreichs getarnt mit sozialistischen Phrasen. Heute ist die KPÖ die österreichische Sektion der Europäischen Linkpartei (ELP). (11) Ihre bekanntesten Schwesterparteien sind die Linkspartei in Deutschland, die Rifundazione Communista in Italien und die Kommunistische Partei Frankreichs (PCF). Die ELP ist ein Zusammenschluß ehemaliger stalinistischer Parteien, die heute eine links-sozialdemokratische Politik der Reformierung der Europäischen Union hin zu einem „sozialen“, „friedlichen“ Kapitalismus verfolgt. In der Praxis bedeutet die Politik der ELP linke Flankendeckung und Unterstützung für den europäischen Imperialismus. Zwar ist die KPÖ viel zu klein, um die Rolle einer Regierungspartei zu spielen. Doch ihre größeren Schwesterparteien haben in den letzten Jahren tatkräftig unterstrichen, daß sie bereit sind, der herrschenden Klasse nicht nur als abwieglerische Oppositionspartei zu dienen, sondern auch als Regierungspartei. In Frankreich war die PCF Teil jener Koalitionsregierung, die zwei imperialistische Kriege führte (1999 gegen Serbien, 2001 gegen Afghanistan) und viele Unternehmen privatisierte. In Italien diente die Rifundazione in der neoliberalen Regierung Prodi 2006-2008 und in Deutschland betreibt die Linkspartei als Teil von Landesregierungen, die gleiche neoliberale Sozialabbaupolitik wie CDU, SPD, FDP oder Grüne. Zwischen der Bundes-KPÖ und der steirischen KPÖ existieren seit geraumer Zeit gewisse Meinungsverschiedenheiten. Die Bundes-KPÖ legt das Schwergewicht ihrer strategischen Orientierung auf die Reform der kapitalistischen EU. Die steirische KPÖ hält an der alten Orientierung der Reform des österreichischen Kapitalismus fest. Die Methode ist jedoch die Gleiche: Ein utopisches Programm der Reform des Kapitalismus statt Revolution gegen diesen. Die praktische Konsequenz ist die Anpassung an die bürgerliche Politik bis hin zur Teilnahme an den kapitalistischen Regierungsgeschäften. Roter statt rot-weiß-roter Kommunismus! Im Unterschied zur rot-weiß-roten KPÖ sind wir von der LSR rote KommunistInnen. Für uns gilt das Motto, welches sich auch die revolutionäre Kommunistische Jugendinternationale – bevor sie von der stalinistischen Bürokratie im Laufe der 1920er Jahre unter ihre Kontrolle gebracht und damit in das Fahrwasser des national-bornierten Sozialismus geführt wurde – zu Eigen machte: „Unsere Heimat ist die Welt“ Als wirkliche KommunistInnen sind wir InternationalistInnen. Die LSR ist daher Teil einer internationalen Organisation – der Liga für die Fünfte Internationale. Unsere Brüder und Schwestern sind nicht die österreichischen Kapitalisten, sondern die ArbeiterInnen und Unterdrückten aller Länder. Wir bekämpfen den kapitalistischen Staat Österreich ebenso wie EU und treten für eine sozialistische Revolution in Österreich und international ein. Auch wenn innerhalb des Kapitalismus keine dauerhaften Reformen errungen werden können, halten wir den Kampf für jede noch so kleine Verbesserung der Lage der ArbeiterInnenklasse für unabdingbar. Doch solche Reformen können nur durch den Klassenkampf auf der Straße, im Betrieb und in den Ausbildungsstätten errungen werden und nicht dadurch, daß sich KommunistInnen an die herrschende Klasse anpassen oder sich sogar in deren komfortables Regierungsbett legen. Wirkliche KommunistInnen identifizieren sich daher weder mit dem österreichischen noch mit dem EU-Staatsapparat und auch nicht mit deren Flaggen. Für uns gibt es nur eine Fahne – die rote Fahne der internationalen Solidarität, der internationalen Revolution und des Sozialismus! Die KPÖ ist die Partei der „kommunistischen“ Austro-Patrioten und EU-Patrioten. Wir von der LSR bauen dagegen eine revolutionäre, internationalistische ArbeiterInnenpartei auf, in der die ArbeiterInnen und Jugendlichen aller Nationalitäten gleiche Rechte haben und die Trennlinie in der Gesellschaft nicht nach Nationalitäten, sondern nach der Klassenzugehörigkeit ziehen. Anmerkung: (1) KPÖ Steiermark: „Rot-weiß-rote Fahne in Spielfeld verpönt? Steirische KPÖ sieht große Symbolkraft in dieser Entwicklung“, 02-09-2009, http://www.kpoe-steiermark.at/aid=4558.phtml (2) Clara Zetkin: Bürgerlicher und proletarischer Patriotismus. Rede auf dem Parteitag der SPD in Essen, 17. September 1907; in: Ausgewählte Reden und Schriften, Band 1, Berlin 1957, S. 368f. (3) Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei (1847); in: MEW 4, S. 479 (4) Eine ausführliche Analyse der nationalen Frage und der Entwicklung der marxistischen Position findet sich in den Thesen der LFI zu „Nationalismus, Nationalstaat und nationale Befreiung“ in Revolutionärer Marxismus Nr. 15, dem deutsch-sprachigen theoretischen Organ der LFI, http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net/alt/rm15nationalefrage.html (5) Karl Marx: Über F. Lists Buch „Das nationale System der politischen Ökonomie“ (1845); Zuerst erschienen in: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft 3/1972, 14. Jg., Berlin, S. 425 – 446, http://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1845/list/flist.htm (6) Siehe dazu u.a. Michael Pröbsting: „Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg“. Lenin, die Bolschewiki und ihr Kampf gegen den imperialistischen Krieg; in: Revolutionärer Marxismus Nr. 40 (2009), www.arbeitermacht.de/rm/rm40/bolschewiki.htm (7) W. I. Lenin: Das revolutionäre Proletariat und das Selbstbestimmungsrecht der Nationen (1916), in: LW 21, S. 416 (Hervorhebung im Original) (8) W. I. Lenin: Über eine Karikatur auf den Marxismus und über den ‚imperialistischen Ökonomismus‘ (1916); in: Lenin: Werke, Bd. 23, Berlin 1957, S. 29 (9) W. I. Lenin: Sozialismus und Krieg (Die Stellung der SDAPR zum Krieg) (1915), LW 21, S. 310 (Hervorhebung im Original) (10) Eine Darstellung der Entstehung der II. Republik aus marxistischer Sicht findet sich in der LSR-Broschüre von Michael Pröbsting: Die Gründung der II. Republik - eine marxistische Analyse. Der Aufbau des Kapitalismus in Österreich nach 1945, die Rolle von SPÖ und KPÖ und der Kampf der ArbeiterInnenklasse (2005) http://www.sozialistische-revolution.org/stor/broschueren/geburt_der_II.republik.pdf (11) Eine kritische Darstellung der Politik der ELP findet sich u.a. in folgenden Artikeln: Martin Suchanek: Berliner Linkspartei unterstützt zionistische Kriegshetzer, http://www.arbeitermacht.de/infomail/403/berlinerlinkespartei.htm; Roman Birke „Europäische Linkspartei und KPÖ: Degenerationsprozeß zeigt sich in der Kosova-Frage“. Dieser Artikel wurde ebenso wie jener von Michael Pröbsting „Der Tschad-Konflikt und die Linke: Schein-Antiimperialismus mit marxistischen Phrasen getarnt“ im theoretischen Organ der LSR „Unter der Fahne der Revolution“ Nr. 2/3 (April 2008) veröffentlicht. (Im Internet: www.sozialistische-revolution.org/phpwcms/download.php?3aa8e9fc2632e19f63e69f5b48b1d747) Schließlich verweisen wir noch auf den Artikel von Michael Pröbsting: „Europäische Linkspartei, CWI und der Libanon-Krieg: Kleinbürgerliche Linke als verkleidete Diener des Imperialismus“ (Revolutionärer Marxismus Nr. 36, 2006, http://www.arbeitermacht.de/rm/rm36/libanon.htm). |
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