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Nach rechts buckeln und nach links
treten
Imperialismus, der israelische Angriffskrieg
und die Sozialistische Jugend
Von Michael Pröbsting
Der barbarische Angriffskrieg Israels gegen das
palästinensische und libanesische Volk stellt – wie jeder Krieg und jeder
zugespitzte Klassenkampf überhaupt – jeden und jede auf die Probe. Jeder Kampf
durchschneidet unbarmherzig den Nebel der unverbindlichen Allgemeinplätze und
verlangt einer klaren Positionierung. In einem Krieg der Reichen gegen die
Armen, der Mächtigen gegen die Schwachen, der Unterdrücker gegen die
Unterdrücker drängt sich unausweichlich die Frage auf: Which side are you on –
auf welcher Seite stehst du?
Für marxistische RevolutionärInnen liegt die Antwort
auf diese Frage auf der Hand: Wir stehen auf Seiten der Unterdrückten, d.h. der
palästinensischen und libanesischen ArbeiterInnen, Jugendlichen und Bauern.
Deswegen treten ArbeiterInnenstandpunkt und die Liga für die 5. Internationale
in diesem Krieg für die militärische Niederlage Israels und seiner Armee und für
den Sieg des palästinensischen und libanesischen Widerstandes ein. Israel
repräsentiert den mächtigsten und brutalsten Gendarmen des Imperialismus im
Nahen Osten. Jeder Schlag gegen dieses Monster erleichtert den zukünftigen Kampf
der arabischen und jüdischen ArbeiterInnen, Jugendlichen und Bauern. Israel ist
eine tagtägliche Bedrohung für die PalästinenserInnen, die der Zionismus aus
ihrer Heimat vertrieb, in Flüchtlingslager pferchte und hungern läßt und bei
jedem Zeichen des Widerstandes mit seiner Killermaschinerie zuschlägt. Israel
ist eine Gefahr für den Libanon, von dem es noch immer Teile besetzt hält.
Israel ist mit seinen von bürgerlichen Militärexperten geschätzten 200
Atomraketen eine Gefahr für jedes Land im Nahen Osten! Israel ist schließlich
auch eine Gefahr für die eigene, jüdische Bevölkerung. Die herrschende Klasse
führt nicht nur einen permanenten Unterdrückungskrieg gegen das palästinensische
Volk, sondern plündert auch große Teile der jüdisch-israelischen
ArbeiterInnenklasse durch einen neoliberalen Feldzug aus.
Jeder Schlag gegen dieses übermächtige,
hoch-technologische Monster ist ein Schlag gegen den wichtigsten Statthalter der
kapitalistischen Großmächte und somit gegen die imperialistische Ordnung im
Nahen Osten und verbessert somit die Kampfbedingungen sowohl für die arabischen
Massen als auch für die jüdisch-israelische
ArbeiterInnenklasse.
Das gleiche gilt für die anderen Konflikte im Nahen, wo
der Imperialismus seine Finger direkt im Spiel hat. Der Kampf der Aufständischen
im Irak oder in Afghanistan gegen die Besatzer ist ein gerechter, nationaler
Befreiungskrieg. Ohne die islamistischen oder nationalistischen Führungen
politisch zu unterstützen (genausowenig wie wir den venezuelanischen Präsidenten
Chavez und seine staats-kapitalistische Politik unterstützen), unterstützen wir
ohne Wenn und Aber den gerechten Widerstandskamof an deren Spitze sie stehen und
mit dem sich große Teile der ArbeiterInnen und Bauern solidarisieren. Deswegen
verteidigen wir marxistische RevolutionärInnen – trotz unserer scharfen
politischen Opposition zu ihnen – Hamas, Fatah, Hezbollah, den syrischen oder
den iranischen Staat gegen alle Angriffe und Vernichtungsschläge durch die
imperialistischen Großmächte und deren Handlanger wie
Israel.
Natürlich ist eine endgültige Überwindung der
nationalen Unterdrückung und der kapitalistisch verursachten Armut nur durch
eine permanente Revolution in der gesamten Region, der Zerschlagung des Staates
Israels und deren Ersetzung durch gemeinsamen arabisch-jüdischen
ArbeiterInnenstaat und eine sozialistische Föderation im gesamten Nahen Osten
möglich. Natürlich verfügen heute weder die arabischen noch die jüdischen
ArbeiterInnen über ein sozialistisch-internationalistisches Bewußtsein. Aber ein
solches Bewußtsein entwickelt sich auch nicht von selber oder durch bloße
Aufklärung, sondern nur, wenn die Massen einschneidende Erfahrungen in großen
gesellschaftlichen Umbrüchen und Kämpfen machen und eine revolutionäre Partei
diese Erfahrungen mit sozialistischen Schlußfolgerungen verbindet und durch
beharrliche Propaganda und Agitation in die Klasse hineinträgt. Aber der Kampf
für die permanente Revolution und den Sozialismus ist dem gegenwärtigen Kampf
für die nationale Befreiung, für die Vertreibung der israelischen Armee aus dem
Gaza, der Westbank und dem Libanon und die Schwächung dieses Monsters nicht
entgegengesetzt, sondern damit auf das engste verbunden. Der Kampf für
den Sozialismus ist die notwendige Fortsetzung des Kampfes für die nationale
Befreiung. Es gibt keinen Sozialismus, wenn man nicht schon jetzt mit dem Kampf
um die unmittelbaren Tagesbedürfnisse beginnt und zu diesen Tagesbedürfnissen
gehört nicht nur Brot, Wasser und Elektrizität, sondern auch die Abschüttelung
der Besatzung (schließlich sind es ja die israelischen Besatzer, die die
Kraftwerke zerstören und Hungerblockaden verhängen!)
Der Reformismus: Nach rechts buckeln, nach links
treten
Die etablierten reformistischen Organisationen der
österreichischen Linken sind jedoch meilenweit von einem marxistischen
Verständnis und einer aktiven internationalistischen Solidarität entfernt. Dies
betrifft insbesondere die SJ und die KPÖ – die beiden Organisationen mit dem
größten Funktionärsapparat. Die Politik beider Organisationen ist von einem
permanenten, unlösbaren Widerspruch gekennzeichnet: Einerseits können sie nur
dann eine gewisse Glaubwürdigkeit bei fortschrittlichen Jugendlichen und
ArbeiterInnen bewahren, wenn sie sich in der einen oder anderen Form in Worten
gegen die Angriffe der Herrschenden äußern und hier und da auch an
entsprechenden Aktionen beteiligen. Die Anti-Bush-Demonstration am 21. Juni war
ein eindeutiges Beispiel hierfür. Anfangs zeigten SJ und KPÖ keine Initiative,
große Demonstrationen und einen Schulstreik zu organisieren. Erst als
ArbeiterInnenstandpunt, REVOLUTION gemeinsam mit einer Reihe anderer
Organisationen die BUSH GO HOME-Kampagne und die Kampagne für den Schulstreik
starteten, erst nachdem wir mit Plakaten und Sticker für den 21. Juni mit
Treffpunkt Westbahnhof mobilisierten, erst als sie so unter Druck kamen und in
den Augen der fortschrittlichen Jugendlichen und ArbeiterInnen nicht vollends
als Nichtstuer dastehen wollten, entschlossen sich SJ und KPÖ sich zur Teilnahme
an diesen Aktionen.
Doch auch wenn sich SJ und KPÖ in der einen oder
anderen Form an fortschrittlichen Aktionen beteiligen müssen, um nicht ihr
Gesicht gegenüber ihrer Basis zu verlieren, so bestehen die eigentlichen
Interessen des reformistischen Apparates in folgendem: erstens geht es dem
Funktionärsapparat darum, seine Vormachtstellung in der ArbeiterInnen- und
Jugendbewegung gegen linke Kritiker und radikale Strömungen zu verteidigen. So
scheiterten unsere Bemühungen an einer gemeinsamen Auftakt- und
Abschlußkundgebung der Anti-Bush-Großdemonstration am 21. Juni daran, daß SJ,
KPÖ und Grüne einfach nicht akzeptieren konnten, wenn neben den von ihnen
nominierten RednerInnen auch VertreterInnen des ArbeiterInnenstandpunkt, des
irakischen Widerstandes oder der Palästinensischen Gemeinde zu Wort kommen. Kein
Platz für revolutionäre, antiimperialistische, kämpferische Stimmen – das ist
das Motto des reformistischen Funktionärsapparates!
Zweitens verfolgen die reformistischen Organisationen
das Ziel, ihren Einfluß in der kapitalistischen Gesellschaft durch Allianzen mit
offen bürgerlichen Kräften auszuweiten. Deswegen ist es für SJ und KPÖ
hundertmal wichtiger, mit den Grünen zusammenzuarbeiten – auch wenn deren
Mobilisierungskraft auf der Straße eine auffallende Tendenz gegen Null aufweist
– als mit Organisationen der Betroffenen, wie türkischen
ImmigrantInnenorganisationen und der Palästinensischen Gemeinde sowie der
antiimperialistischen Linken. Der Grund liegt eindeutig auf der Hand: mit den
Grünen möchten Teile der Sozialdemokratie eine künftige Regierungskoalition
bilden und mit den Grünen bilden Sozialdemokraten und KPÖ-Studentenvertreter
schon seit Jahren ein Bündnis an der Spitze der Österreichischen
Hochschülerschaft. Die Grünen sind eine kapitalistische Partei, eine bürgerliche
Regierungspartei in Wartenposition und daher für den reformistischen
Funktionärsapparates weitaus wichtiger als die antiimperialistische
Kräfte.
Aus dem gleichen Gründen pflegen Teile der SJ- und
KPÖ-Spitze enge Beziehungen zu den Antinationalen – das sind die Verteidiger des
zionistischen Staates Israel und des Imperialismus im linksliberalen Gewand. Die
Antinationalen besitzen eine noch geringerer Mobilisierungskraft auf der Straße
als die Grünen, sind jedoch umso einflußreicher im bürgerlichen Staatsapparat
und dadurch auch in diversen Parteien und Institutionen (eine ausführliche
Auseinandersetzung mit den Antinationalen findet sich in der Broschüre des
ArbeiterInnenstandpunkt: „Israel, Zionismus und Antisemitismus. Eine
Auseinandersetzung mit den Mythen und Legenden der Antinationalen“). Die
Hauptaufgabe der Antinationalen besteht darin, Propaganda für den Staat Israel
und den imperialistischen „Krieg gegen den Terror“ zu betreiben, daher alle
antiimperialistischen Kräfte als „Antisemiten“ zu verleumden, nach Möglichkeit
aus Bündnissen hinauszudrängen und wenn möglich ihnen auch materiell zu schaden
(wie z.B. der Prozeß wegen angebliche Körperverletzung gegen Michael
Pröbsting).
Schließlich verbinden die reformistischen Funktionäre
auch unmittelbare, ganze ordinäre Karriereinteressen mit ihrer Arbeit. Dies wird
besonders bei der SJ überdeutlich. Zahlreiche Spitzenpolitiker der SPÖ haben als
führende SJ-Funktionäre begonnen – stellvertretend für viele seien angeführt der
Parteivorsitzenden Gusenbauer, der Chef der Parlamentsfraktion Josef Cap oder
die Wiener Stadträtin Sonja Wessely. SJ-Spitzenfunktionen sind – so man sich
nicht als totaler Versager entpuppt – ein ideales Sprungbrett für die Karriere
in Partei oder parteinahen Institutionen. Und welcher SJ-Spitzenfunktionär
möchte sich schon diese verlockenden Aussichten vermasseln, indem er oder sie
einen Konflikt mit rechten Kräften eingeht und sich für antiimperialistische
Anliegen engagiert?! Wer in Partei und im Staat was werden will, muß nach rechts
buckeln und nach links treten.
SJ: Keine Solidarität mit
Palästina
Angesichts des neuerlichen brutalen Angriffskrieges, den der wichtigste Verbündete des US-Imperialismus im Nahen Osten, der zionistische Staat Israel, gegen das palästinensische und das libanesische Volk führt, zeigt sich einmal mehr, wo die SJ steht. Es ist kein Zufall, daß die SJ sich bislang mit keinem Wort zu diesem Krieg geäußert oder gar die Seite der Unterdrückten bezogen hat. Als sich unser BUSH GO HOME Bündnis formierte, spalteten SJ, KPÖ und Linkswende das Bündnis unter anderem mit dem Argument, weil in unserem Aufruf als eines von mehreren Argumenten angeführt wurde: „Wir protestieren gegen den EU-USA Gipfel, weil wir entschieden für das Selbstbestimmungsrecht der Völker eintreten - im Irak, Afghanistan, Palästina und anderswo.“ Alleine die Erwähnung von Palästina war für die SJ eine solche Provokation und ein Zeichen des Antisemitismus, daß sie das Bündnis verließ!
Daher ist es auch kein Zufall, daß die SJ in
den letzten Jahren bei den Solidaritätsaktionen mit dem palästinensischen Volk
nie zu sehen war. Die SJ ist eine von jenen Organisationen, die in Worten links
ist, in der Praxis jedoch immer wieder auf der Seite der Herrschenden – sei es
die SPÖ als Regierungspartei, sei es der Unterdrückerstaat Israel –
steht.
SJ: Kein Rederecht für Revolutionäre, aber für die
US-Botschafterin
Die SJ-Politik des Opportunismus nach rechts und
Sektierertums nach links wurde gerade in den letzten Monaten deutlich.
Einerseits gab sich die SJ-Spitze bei Pressekonferenzen und auf der
Anti-Bush-Demonstration als scharfe Kritikerin der imperialistischen Supermacht.
Gleichzeitig versuchte sie nicht nur, antiimperialistische Kräfte ins Abseits zu
drängen, sondern betreibt auch offen Hetze gegen diese Kräfte und bietet
Vertretern des US-Imperialismus in ihren eigenen Publikationen breitflächige
Propagandamöglichkeiten.
So mußten die erstaunten LeserInnen der neuen Ausgabe
der SJ-Wien-Zeitschrift FAKTOR (Ausgabe 03/06) feststellen, daß dort die
US-amerikanische Botschafterin in Österreich Susan McCaw zwei Seiten lang
unkommentiert und unkritisiert Propaganda für die Regierung Bush betreiben kann
(auf den Seiten 6 und 7). Die Botschafterin wirbt dort für die „Visionen“ von
George Bush und erklärt die Maßnahmen der USA gegen den Antiamerikanismus. Die
artigen Redakteure der SJ-Zeitschrift wagten hier natürlich nicht zu
widersprechen, sondern veröffentlichen dieses Interview ohne weiteren Kommentar.
Daß die Einpeitscher des US-Imperialismus in den bürgerlichen Medien ihre
reaktionäre Politik propagieren dürfen, ist für MarxistInnen wenig überraschend.
Daß jedoch eine Organisation wie die SJ, die auf der 21. Juni-Demonstration noch
zahlreiche Plakate mit dem Gesicht von Bush und der Aufschrift „Gegen Krieg und
Kapitalismus“ verteilte und einem Bündnis vorstand, daß sich „Stop Bush“ nennt,
daß ausgerechnet eine solche Organisation ihre Zeitschrift zum Sprachrohr des
US-Imperialismus werden läßt, ist zumindest bemerkenswert. (auch wenn wir
natürlich verstehen, daß auf einer Demonstration bei Jugendlichen Anti-Bush und
antikapitalistische Losungen besser ankommen als ein Interview mit der
US-Botschafterin.)
Jedoch klärt sich dieser scheinbare Widerspruch auf,
wenn man sich die bizarren Argumente des SJ-Reformismus genauer anschaut. In der
gleichen Ausgabe des FAKTOR können wir im Editorial folgende
lesen:
„G. W. Bush ist nicht gleich USA. Antiamerikanismus
ist ‚in’ geworden. Alle schimpfen auf die ‚dummen Amies’ und beißen danach in
den McDonalds-Burger und hören auf dem MP3-Player Rihanna, Red Hot Chilli
Peppers oder 50cent.
Vorurteile sind mächtig. Und überall. Auch in dir.
Die USA sind nicht das Böse. Auch nicht George Bush. Wogegen wir kämpfen müssen
sind Vorurteile und Kapitalismus. Nicht USA. Nicht
Bush.
Gegen Vorurteile und Unwissenheit hilft lesen. Und
gerade im FAKTOR findet sich Interessantes: Ein Interview mit der
US-Botschafterin,….“ (SJ-Wien: FAKTOR 03/06, S. 2. Dem
ungläubigen Leser versichern wir, daß wir dieses Zitat weder verfälscht noch
etwas ausgelassen haben.)
Also, damit es auch jeder versteht: Nicht gegen den
obersten Kriegsherrn des mächtigsten imperialistischen Staates der Welt und auch
nicht gegen diese imperialistische Großmacht müssen wir kämpfen, sondern nur
gegen zwei Dinge: erstens Vorurteile und zweitens den
Kapitalismus.
Das ist ja auch gar nicht so schwer: gegen Vorurteile –
hier geht es offenkundig um die „Vorurteile“ gegen den mächtigsten Imperialismus
der Welt - kann man ja was lesen (in der SJ-Zeitung FAKTOR). Zum Beispiel ein
zwei Seiten langes Interview mit der hiesigen Vertreterin dieser Supermacht –
der US-amerikanischen Botschafterin in Österreich. Da bekommt man dann mehr
Verständnis für die Schwierigkeiten und Probleme, mit denen sich so eine
Supermacht herum schlagen muß. Irgendwie muß man es ja nachvollziehen können,
wenn sich das Weiße Haus mit wildgewordenen Islamisten in Afghanistan oder
uneinsichtigen Rebellen im Irak abplagen und die Zivilisation der freien Welt
gegen die Barbaren verteidigen muß.
Und wer es nach dem Aufklärungsunterricht der
Botschafterin – ihr Mann ist übrigens hauptberuflich Großunternehmer und
nebenberuflich Freund von und Kampagnenspender für Präsident Bush, was natürlich
in keinerlei Zusammenhang mit ihrer Ernennung als Botschafterin steht – noch
immer nicht verstanden hat, dem erklärt der SJ-Wien Sekretär Stefan Schmid auf
Seite 9 über den Antiamerikanismus auf. Dort wird unter dem Titel „Ami go
Home! Freiheit für …?“ der Antiamerikanismus als Hauptfeind benannt und die
antiimperialistische Organisation AIK auf eine Stufe mit den deutschen Neonazis
von der NPD auf eine Stufe gestellt. Deutlicher könnte die SJ-Führung nicht
machen, wo sie den Feind und wo sie Gesprächspartner sieht. Im Gegensatz dazu
ist für jeden halbwegs vernünftigen Linken klar, daß die AIK eine Organisation
der antiimperialistischen Linken ist, mit der man durchaus politische
Differenzen haben kann (und wir vom ASt haben diese auch wiederholt öffentlich
dargelegt). Mit dem US-Imperialismus haben wir jedoch keine Differenzen – er ist
der Feind, den es zu bekämpfen und zerschlagen gilt. Für uns wäre es daher
vorstellbar, ein Interview mit einem Vertreter der AIK zu veröffentlichen, wo
wir allerdings auch unsere Kritik darlegen würden. Ein Interview mit der
US-Botschafterin ist für uns undenkbar. Für die SJ-Funktionäre ist es jedoch
genau umgekehrt. Alleine der Gedanke an die Veröffentlichung eines Interview mit
einem „antisemitischen“ Linken von der AIK oder dem ASt in den Spalten der
SJ-Zeitung würde bei den Funktionären ein entsetztes „Gott sei bei uns“
herrufen. Auf ein Interview mit der US-Botschafterin ist man hingegen stolz –
hilft ja vielleicht bei der künftigen Berufswahl.
Daß die SJ-Führung dem Kampf gegen den US-Imperialismus
nun den Kampf gegen den Kapitalismus entgegenstellt, entbehrt nicht einer
gewissen Komik. Genauso gut könnte man streikenden ArbeiterInnen in einem
Betrieb sagen: Warum kämpft ihr jetzt gegen euren Boß, gegen euren Konzern? Der
ist doch nicht Schuld an den Lohnkürzungen und der Arbeitslosigkeit, für eure
Probleme ist doch die Konkurrenz der Konzerne und das System des
kapitalistischen Profits verantwortlich. Tatsächlich existiert das System des
Kapitalismus nicht im luftleeren Raum, sondern existiert und kann nur existieren
in Form konkreter Konzerne, konkreter Staaten, konkreter Großmächte und
konkreter Herrscher. Das gleiche gilt für den Kampf von Jugendlichen gegen
konkrete Mißstände an einer Schule oder gegen den Bildungsabbau der
ÖVP/BZÖ-Regierung. Mit der SJ-Logik könnte man sagen: das Problem ist nicht der
Direktor, ist nicht Gehrer, ist nicht Schüssel, sondern „der Kapitalismus“.
Solche Standpunkte kommen der SJ-Spitze natürlich nicht über die Lippen, denn
wenn Gehrer und Schüssel nicht abgewählt werden, dann schaut es mit einer
SPÖ-Regierung und den damit verbundenen eigenen Karrieremöglichkeiten nicht so
gut aus. Daher ist auch eine der beliebtesten Losungen der SJ „Stoppt Gehrer“
und „Stoppt SchwarzBlau“. Wir sehen: was gegen Bush und die USA
„antiamerikanisch“ ist und in die Nähe der Nazis gerückt wird, ist bei Gehrer
und Schüssel vollkommen in Ordnung.
Wir marxistische Revolutionäre verbinden den Kampf
gegen den Kapitalismus als System mit dem Kampf gegen die konkreten Herrschenden
und Vollstrecker dieses Systems. Ansonsten ist der Antikapitalismus leeres
Geschwätz. Und im Falle der SJ, die den Kapitalismus verurteilt und der
US-Botschafterin Propagandamöglichkeiten bietet, ist es pure
Heuchelei.
Besonders kurios ist das Argument von Stefan Schmid:
„Antiamerikanische Einstellungen haben beispielsweise in Lateinamerika, das
die USA als ihren ‚Hinterhof’ betrachten, einen anderen Hintergrund und eine
andere Ausrichtung als in Österreich, das – so gut es kann – selbst von
imperialistischer Ausbeutung profitiert.“ (FAKTOR 03/06, S. 9) Aus einer
marxistischen Binsenwahrheit wird eine Rechtfertigung für politische Heuchelei.
Wenn also „antiamerikanische Einstellungen“ in Lateinamerika den
SJ-Vorstellungen von political correctness entsprechen, warum fallen dann die
„antiamerikanische Einstellungen“ des irakischen Widerstandes – dessen Land ja
im Unterschied zu Lateinamerika direkt von den USA besetzt werden – beim
SJ-Antiamerikanismus-Test durch?! Natürlich ist es der SJ hoch anzurechnen, daß
nun scheinbar auch sie – zumindest in einem Nebensatz – den imperialistischen
Charakters Österreichs anerkennt. Im zuletzt beschlossenen SJ-Grundsatzprogramm
von 2004 war davon noch keine Rede. Wenn die SJ also gegen den Kapitalismus ist
und den österreichischen Staat sogar als imperialistisch bezeichnet, dann stellt
sich allerdings die Frage: Warum ist die SJ noch immer die Jugendorganisation
der SPÖ, die den österreichischen Kapitalismus und Imperialismus in der gesamten
II.- Republik seit 1945 bis 2000 fast jedes Jahr mitverwaltete und deren
Politiker mit dem österreichischen Kapital engstens verbunden sind (Ederer,
Androsch, Vranitzky, Rudasch, Voves etc.)?! Warum kandidieren dann
SJ-Funktionäre bei Wahlen auf den SPÖ-Listen und warum macht dann faktisch jeder
SJ-Spitzenfunktionär Karriere in dieser Partei (Gusenbauer, Cap usw.)? In
Wirklichkeit ist der SJ-Funktionärsapparat durch seine direkte Abhängigkeit von
der SPÖ über viele Fäden mit dem österreichischen Kapitalismus und Imperialismus
verbunden und profitiert von der Verbandelung der SPÖ mit diesem System. Im
Unterschied zu ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION kämpft die SJ in
Wirklichkeit weder gegen den österreichischen noch gegen den
US-Imperialismus.
Antiimperialismus und
Antiamerikanismus
Stellen wir abschließend nocheinmal klar, was ist
Antiamerikanismus ist und was nicht. Vor zwei Jahren habe wir in unserer
Broschüre „Krieg, globaler Kapitalismus und Widerstand“ folgende
Unterscheidung zwischen Antiimperialismus und Antiamerikanismuss
getroffen:
„Ein Vorwurf, der immer wieder gegen die
Antikriegsbewegung vorgebracht wird, lautet, daß sie antiamerikanisch sei. Als
proletarische InternationalistInnen ziehen wir eine scharfe Trennlinie zwischen
Antiimperialismus und Antiamerikanismus. Antiamerikanismus sind für uns
keineswegs Losungen wie „Down, down USA“ (wie antinationale
ObskurantInnen behaupten), da sie sich klar gegen den imperialistischen Staat
USA richten und auch so verstanden werden. Antiamerikanismus ist es vielmehr,
den Kampf nicht gegen den imperialistischen Staat und die herrschende Klasse in
den USA zu richten, sondern gegen das US-amerikanische Volk („die Amerikaner“).
Eine Spielart dieses Antiamerikanismus sind abfällige Bemerkungen über „die
amerikanische Unkultur“, mit dezentem Hinweis auf die Überlegenheit der
„europäischen Kulturvölker“. Hier geht es nicht darum, die Errungenschaften des
Fastfood zu loben oder ähnliches. Ohne Zweifel spiegeln kulturelle, zeitgeistige
Strömungen auf dem Gebiet der Philosophie, der Musik, der Filme usw. die
Tendenzen wider, in die sich eine Gesellschaft entwickelt. Und in der Tat macht
der der imperialistischen Epoche eigene Niedergang der Menschheit, der mit der
US-dominierten Weltordnung zweifellos einen neuen Höhepunkt gefunden hat, nicht
halt vor der Kultur. Der weltumspannende Griff der US-Multis sorgt dafür, daß
niemanden diese zweifelhaften Errungenschaften der US-Gesellschaft verborgen
bleiben. Aber Lenin hat zurecht immer wieder betont, daß ein Marxist nicht von
„der nationalen Kultur“ sprechen darf, sondern die widersprüchlichen Elemente
innerhalb einer nationalen Kultur ausmachen und sorgfältig die reaktionären und
fortschrittlichen Elemente auseinanderhalten muß. Die US-Musik kennt nicht nur
diverse untalentierte Pop-Schwachköpfe, sondern z.B. auch „Rage against the
Machine“ oder „Nirvana“. Und die US-amerikanische Filmwelt lässt sich auch nicht
bloß auf Arnold Schwarzenegger und Silvester Stallone reduzieren, sondern kennt
auch einen Michael Moore.
Eine „linke“ Variante des Antiamerikanismus stellt
die Behauptungen dar, wonach die US-amerikanische ArbeiterInnenklasse
strukturell unfähig wäre, sich gegen die eigene Bourgeoisie zu erheben, weil sie
weitgehend korrumpiert oder schlichtweg dumm und reaktionär wäre. Tatsache ist,
daß die Anti-Kriegsbewegung in den USA eine beträchtliche Stärke erreichte und
die ArbeiterInnenbewegung in den letzten Jahren einen wichtigen Aufschwung
erlebte (UPS-Streik 1997, Teamster-Kämpfe, Streik der Hafenarbeiter 2002 usw.).
Ende August 2004 gingen eine halbe Million Menschen in New York gegen den
Parteitag der Republikaner auf die Straße, ohne daß dieser Protest in
irgendeiner Weise von den Demokraten gesponsert worden wäre. Ebenso können wir
die Formierung einer kämpferischen Strömung in den Gewerkschaften beobachten,
die 2004 auf verschiedenen Gewerkschaftskongressen Resolutionen durchsetzte, in
welchen der sofortige Abzug der US-amerikanischen Truppen aus dem Irak gefordert
wird. Ebenso organisieren diese GewerkschafterInnen einen „Million Workers
March“, der am 17. Oktober 2004 in Washington stattfinden soll und sich gegen
die Kriegs- und Sozialabbaupolitik der Herrschenden
richtet.
Daher behandeln wir marxistische RevolutionärInnen
die USA nicht als ein monolitischer Block, sondern weisen auf die
Klassengegensätze hin und bekunden unsere aktive Solidarität mit der
US-amerikanischen Anti-Kriegsbewegung und der ArbeiterInnenklasse. Gegen das
Amerika des George Bush und Arnold Schwarzenegger stellen wir jenes eines Mumia
Abu-Jamal und einer Rachel Corrie.
Tatsache ist, daß das US-amerikanische Proletariat
in seiner Mehrheit nicht strukturell in das bürgerliche Establishment integriert
ist und daß die Klassengegensätze in den USA schroff und unüberbrückbar sind.
Man darf nicht vergessen, daß die Mehrheit des US-amerikanischen Proletariats zu
den am stärksten ausgebeuteten und rechtlosesten innerhalb der imperialistischen
Welt gehört. In keinem anderen großen Industrieland stieg in den letzten 25
Jahren die Jahresarbeitszeit so stark an wie in den USA. Die Perspektive des
Klassenkampfes und der sozialistischen Revolution in den USA ist daher sowohl
strategisch wichtig als auch realistisch möglich. Strategisch wichtig, da die
US-imperialistische Bestie an der Heimatfront am schwersten in ihrem Herzen
getroffen werden kann. Realistisch möglich, weil die Integrationskraft der
herrschenden Klasse aufgrund der wachsenden inneren Widersprüche des
US-Kapitalismus sinkt.
Sicherlich, der Anstoß für eine qualitative
Verschärfung des Klassenkampfes und die Herausbildung eines potentiell
sozialistischen Klassenbewußtseins in den USA kommt wahrscheinlich von außen,
durch tiefe Erschütterungen, die der amerikanische Imperialismus auf der
Weltebene erfährt. (Auch das Proletariat im britischen Empire – und auch die
Plebejer im römischen Imperium könnte man hinzufügen – gerieten erst dann in
offenen und massiven Konflikt mit „ihrer“ herrschenden Klasse, als das Empire
durch Rückschläge auf Weltebene ins Wanken geriet. Solche Rückschläge könnten
z.B. durch schwere Niederlagen im Irak oder einer anderen neu eroberten Kolonie
hervorgerufen werden wie dies schon einmal in Vietnam Mitte in den frühen 1970er
Jahren der Fall war. Oder aber auch ein massiver Aufschwung von Klassenkämpfen
in Europa gekoppelt mit einer Erschütterung der ökonomischen Vormachtstellung
könnte eine solche Dynamik auslösen.
Aber die US-amerikanische Klassengesellschaft selber
ist voller potentiell explosiver Klassenwidersprüche. Die extrem
überausgebeuteten unteren Sektoren der ArbeiterInnenklasse, der wachsende Anteil
von ImmigrantInnen und Farbigen an der Bevölkerung, die enorme und provokative
Arroganz, Gier und Korruption der herrschenden Klasse gepaart mit
Kurzsichtigkeit und Ignoranz – George Bush personifiziert die Eigenschaften
geradezu – all diese Widersprüche bergen ein enormes Potential für die
zukünftige Entwicklung des Klassenkampfes.
Sicherlich, wir ignorieren nicht die Existenz einer
US-amerikanischen ArbeiterInnenaristokratie, also der wohlhabendsten,
privilegiertesten Schicht der Lohnabhängigen. Als Weltmacht Nr. 1 kann die USA
natürlich einer nicht unbeträchtlichen Schicht größere Privilegien anbieten. Der
politische Ausdruck dessen ist die Loyalität gegenüber der Regierung und der
ungebrochene dumpfe Patriotismus, der in einem Teil des amerikanischen
Proletariats vorherrscht. Aber diese arbeiteraristokratische Minderheit mit der
gesamten Klasse gleichsetzen zu wollen, ist schlichtweg ignorant und dient nur
der Bedienung antiamerikanischer Vorurteile.
Kurz und gut: Das amerikanische Imperium ist durch
enorme Widersprüche sowohl im Inneren als auch auf Weltebene bedroht. Es wird
durch eine wie auch immer geartete Kombination beider zu Fall gebracht werden.
Marxistische RevolutionärInnen müssen eine internationalistische Strategie
verfolgen, die den Kampf gegen den US-Imperialismus mit einer Orientierung auf
einen gemeinsamen Kampf mit der US-amerikanischen ArbeiterInnenklasse
verbindet.“ (ArbeiterInnenstandpunkt: Krieg, globaler
Kapitalismus und Widerstand, S. 24ff.; siehe auch: Revolutionärer
Antiimperialismus in der neuen Periode. Thesen zu Marxismus, Proletariat,
Boykottkampagne und Antiamerikanismus, http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net/rn97thesen.html)
Der israelische Aggressionskrieg und die fortgesetzte
Offensive des US-Imperialismus ist heute eine der Hauptfragen der Weltpolitik
und somit auch der Politik von internationalistisch denkenden MarxistInnen. In
ihrer Haltung zu diesen brennenden Fragen zeigt sich, wer auf welcher Seite der
Barrikade steht und wer eine fortschrittliche Rolle in der ArbeiterInnen- und
Jugendbewegung spielt. Die SJ-Spitze, die nur halbherzig an den Aktivitäten
gegen den US-Imperialismus beteiligt war, die gegen die aktiven Gegner der
US-Imperialismus wettert, die die antinationalen Freunde Israels in ihrer Mitte
duldet, die den Vertretern des US-Imperialismus ein Forum bietet – diese SJ ist
ein Hindernis im Aufbau einer antiimperialistischen Bewegung gegen Krieg und
Besatzung. Unsere Aufgabe als ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION ist es
daher mehr denn je, eine revolutionäre Alternative zum Reformismus
aufzubauen.
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Rede: Nieder mit dem israelischen Angriffskrieg!
Auf unserer Website [Direktlink] findet sich eine Rede
des ArbeiterInnenstandpunkt zum israelischen Angriffskrieg gegen das
palästinensische und libanesische Volk bei der Kundgebung am 16. Juli in Wien
als Audiofile.
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Schulungen des ArbeiterInnenstandpunkt
im Sommer
Der ArbeiterInnenstandpunkt veranstaltet im
Sommer eine Schulungsreihe, bei der verschiedene Aspekte der marxistischen
Theorie beleuchtet werden. Sie finden – abgesehen von einer Pause in der zweiten
Julihälfte – jeden Freitag statt. Sie beginnen alle um 18.00. Die Treffen finden
im Amerlinghaus statt (Stiftgasse 8, 1070 Wien, U3
Neubaugasse)
Freitag, 4.August, 18.00
Die marxistische
Staatstheorie
(Literatur: Lenin: Staat und Revolution. Kann über uns
bezogen oder über das Internet heruntergeladen werden: http://marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/staatrev/index.htm)
Freitag, 11.August, 18.00
Was ist
Faschismus?
(Literatur: Leo Trotzki: Portrait des
Nationalsozialismus. Kann über uns bezogen oder über das Internet
heruntergeladen werden: http://marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1933/06/natsoz.htm)
Freitag, 18.August, 18.00
Die marxistische
Wirtschaftstheorie
(Literatur: Karl Marx: Lohn, Preis und Profit. Kann
über uns bezogen oder über das Internet heruntergeladen werden: http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_101.htm)
Freitag, 25.August, 18.00
Strategie und Taktik der
Bolschewismus
(Literatur: Lenin: Der linke Radikalismus – die
Kinderkrankheit im Kommunismus, Kann über uns bezogen oder über das Internet
heruntergeladen werden: http://www.linksruck.de/litera/klassik/l_lira.htm)
Freitag, 1.September, 18.00
Imperialismus und
Krieg
(Literatur: Leo Trotzki: Lenin und der imperialistische
Krieg. Kann über uns bezogen werden)
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Kontaktadressen
ArbeiterInnenstandpunkt:
Stiftgasse 8, 1070 Wien
E-Mail: info@arbeiterinnenstandpunkt.net
Tel.: 0650/406 83 14
http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net
Revolution
Stiftgasse 8, 1070 Wien
E-Mail:
onesolutionrevolution@gmx.at
http://www.revolution-austria.at/
Die website der Liga für die 5.
Internationale (LFI): http://www.fifthinternational.org/
Weitere websites der
LFI:
http://workerspower.com/
(Britannien)
http://www.arbeitermacht.de/
(Deutschland)
http://www.arbetarmakt.com/ (Schweden)
http://www.pouvoir-ouvrier.org/
(Frankreich)
http://sop.revoluce.info
(Tschechische Republik)