Red Newsletter 218
Informationsdienst des ArbeiterInnenstandpunkt, 3. Juli 2006
Inhalt
(1) Ein großer Schritt vorwärts! Bilanz der Anti-Bush-Proteste und der
Kampagne von ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION
(2) Ausführlicher Überblick über die Medienberichterstattung zu
ASt/REVOLUTION in der Anti-Bush-Kampagne
(3) Ost-Timor: Nein zur Militärintervention - Für Arbeitereinheit!
(4) Chile - Mai 2006: Aufstand der Pinguine
(5) Termine: Schulungen des ArbeiterInnenstandpunkt im Sommer
(6) Kontakt
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Ein großer Schritt vorwärts!
Bilanz der Anti-Bush-Proteste und der Kampagne von
ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION
Im Folgenden veröffentlichen wir eine Bilanz der Proteste gegen den
Bush-Besuch am 21. Juni inklusive einem Überblick der
Medienberichterstattung über ArbeiterInnenstandpunkt (ASt) und
REVOLUTION. Sie ist eine ausführlich erweiterte Fassung unserer ersten
Kurzbilanz, die wir im Red Newsletter 217 veröffentlichten.
Der 21. Juni war nicht nur der Tag des Händeschüttelns von Bush,
Schüssel und dem Rest der EU-Spitzenpolitiker. Der 21. Juni wurde
gleichzeitig auch unübersehbar zum Tag des Protestes gegen den
Bush-Besuch, gegen die aggressive, militaristische Politik des
US-Imperialismus aber auch der Europäischen Union. Sowohl in den
österreichischen Medien als auch in der Weltpresse wurde ausführlich
über unsere Aktionen berichtet. (siehe Photos und Links unten)
Unser erklärtes Ziel als BUSH GO HOME-Bündnis war von Anfang an, der
Öffentlichkeit durch große Protestaktionen zu zeigen, dass die breite
Bevölkerung in Wien und in Österreich gegen die imperialistische Politik
der Bush-Administration eingestellt ist. Genau dies drückte unsere
Losung aus: Wien muss Anti-Bush-Stadt werden! Dieses Ziel haben wir
erreicht.
Am Vormittag marschierten über 2.000 SchülerInnen im Rahmen eines
Schulstreiks gegen den Bush-Besuch. Zu diesem Schulstreik hatte
REVOLUTION, ArbeiterInnenstandpunkt, SJ, die Kommunistische Jugend
Österreichs, SLP, SWI sowie die Neue Demokratische Jugend aufgerufen.
Die Demonstration hatte vor allem im vorderen Bereich - wo
ASt/REVOLUTION, KJÖ und ATIGF marschierten - einen sehr kämpferischen
Charakter. Bilder von unseren Aktionen - darunter auch die Verbrennung
einer US-Flagge, das Mitführen einer am Galgen baumelnden Bush-Puppe
usw. - wurden unter anderem auf CNN, im ORF-Mittagsjournal, im
Privatsender W:24 ausgestrahlt sowie auf zahlreichen Photos in den
Medien veröffentlicht (siehe die links unten).
Am Abend schließlich fand die Großdemonstration statt, für die das BUSH
GO HOME-Bündnis seit zwei Monaten mobilisierte und dem sich später auch
das StopBush-Bündnis von SJ, KPÖ, Grüne u.a. anschloss. Die
Demonstration wurde mit 20.-25.000 TeilnehmerInnen ein großer Erfolg.
Das breite Spektrum der DemonstrationsteilnehmerInnen zeigte, dass die
Ablehnung von Bush's Kriegspolitik deutlich über die linke Szene
hinausgeht und weit in die ArbeiterInnenklasse und Jugend hineinreicht.
Mit der Demonstration repräsentierten wir also die breite Masse der
Menschen in Österreich, die mit einer 80%-igen Mehrheit die Politik des
US-Präsidenten ablehnen, während in der Hofburg für die Interessen einer
kleinen Minderheit an Reichen verhandelt wurde.
Der einzige Wehmutstropfen an diesem Tag war die Weigerung des
StopBush-Bündnisses von SJ, KPÖ und Grünen, mit unserem Bündnis
zusammenzuarbeiten. Bis zum Schluss weigerten sich deren führende
Vertreter, einen Sprecher des irakischen Widerstandes zu Wort kommen zu
lassen, während von Seiten des BUSH GO HOME-Bündnisses die Bereitschaft
zur Zusammenarbeit von Anfang an vorhanden war und die einzige Bedingung
dafür, die Forderung der völligen Freiheit in Agitation und Propaganda
für beide Bündnisse war. Dies akzeptierte das StopBush-Bündnis leider
nicht und spaltete somit leider die Demonstrationen, bei der es nötig
gewesen wäre Einheit gegen die imperialistische US-Politik zu
symbolisieren. Der Realität entgegengesetzt berichteten die Medien, dass
REVOLUTION die Demonstration gespalten hätte. Doch jedem denkenden
Menschen, der sich nicht von den gekauften Berichterstattungen der SJ
und den Grünen täuschen lässt, und der die Praxis der Demonstration
mitbekommen hat, sollte bewusst sein, dass die wirklichen Spalter die
Kräfte im StopBush-Bündnis waren.
Bei der Auftaktkundgebung des BUSH GO HOME-Bündnisses sprachen Roman
Birke vom ArbeiterInnenstandpunkt (der auch im Namen der Kommunistischen
Initiative und der Antiimperialistischen Koordination auftrat), George
Nicola, Präsident der palästinensischen Gemeinde sowie ein Sprecher der
ATIGF.
Bei der Großkundgebung des BUSH GO HOME-Bündnisses am Heldenplatz
wendeten sich verschiedene prominente RednerInnen mit Ansprachen an
tausende ZuhörerInnen. So sprach Al-Kalemji über die Bedeutung des
irakischen Widerstands, der nicht nur für die Befreiung seines Landes
von der US-amerikanischen Besatzung kämpft, sondern Speerspitze der
Emanzipationsbestrebungen aller gegen Kolonialismus ringenden Völker
ist. In Solidarität mit al-Kalemji betrat auch der linke britische
Parlamentsabgeordnete George Galloway die Bühne, der das Redeverbot für
den Widerstand seitens des "StopBush"-Bündnisses als Skandal
bezeichnete. Weiters sprachen Tobias Pflüger, der deutsche
Bundestagsabgeordnete und Antimilitarist, dem die parlamentarische
Immunität entzogen wurde, Mohamed Mahmoud von der Islamischen Jugend,
Cihan Keskek von Grup Yorum aus der Türkei sowie Leo Gabriel.
Alles in allem also ein sehr gelungener Tag des Protestes, der auch
zeigte, dass man durch die solidarische Zusammenarbeit verschiedener
Organisationen etwas bewirken kann. Wir möchten uns in diesem
Zusammenhang auch bei allen beteiligten Organisationen für die gute
Zusammenarbeit in der monatelangen Kampagne bedanken. Dies trifft
insbesondere auch GenossInnen der Kommunistischen Initiative zu, die in
ihrer Arbeit Zielstrebigkeit, eine äußerst seriöse Arbeitsweise und
gutes politisches Fingerspitzengefühl verbanden.
Eine Bilanz der Intervention von ASt und REVOLUTION
Für uns von ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION war die
Anti-Bush-Kampagne ein außergewöhnlicher Erfolg. Der Schulstreik ging
auf unsere Initiative zurück und wir organisierten am 26. April und am
2. Juni zwei Aktionskonferenzen von AktivistInnen aus den Schulen. Die
ganze Hauptlast der Kampagne für den Schulstreik blieb die längste Zeit
an uns hängen, denn bis 1-2 Wochen vor dem 21. Juni mobilisierte keine
einzige andere Organisation dafür mit Flyern, Plakaten oder Pickerln!
Offensichtlich warteten SJ und andere Gruppen ab, ob unsere Kampagne auf
Zustimmung unter den SchülerInnen stößt. Hinter dem Abwarten der SJ,
liegt das Grundproblem des Reformismus. Durch eine abgehobene Bürokratie
verlieren die sogenannten SpitzenfunktionärInnen jegliches Gefühl für
die Stimmung unter und die Forderungen der Jugendlichen. Für
ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION, die revolutionäre Arbeit an den
Schulen leisten und die von ihren Mitgliedern selbst kontrolliert
werden, war es möglich die Stimmung gegen den Kriegsverbrecher George
Bush zu erkennen und somit mit einer massiven Kampagne darauf zu reagieren.
REVOLUTION wurde daher sogar von den bürgerlichen Medien als eine
zentrale Kraft bei der Mobilisierung des Schulstreiks wahrgenommen.
(Siehe z.B. die Berichte im "Standard"
http://derstandard.at/?url=/?id=2486332
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fderstandard%2Eat%2F%3Furl%3D%2F%3Fid%3D2486332>
und http://derstandard.at/?url=/?id=2486148
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fderstandard%2Eat%2F%3Furl%3D%2F%3Fid%3D2486148>).
Auch zitierten die Medien unseren Sprecher Roman Birke bei der
Pressekonferenz am 20.6. zum Schulstreik.
(http://derstandard.at/?url=/?id=2487378
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fderstandard%2Eat%2F%3Furl%3D%2F%3Fid%3D2487378>)
Ebenso spielten wir eine zentrale Rolle im BUSH GO HOME Bündnis und
Michael Pröbsting, ein Aktivist des ArbeiterInnenstandpunkt, war einer
der Sprecher des Bündnisses. Auszüge von Interviews und
Pressekonferenzen wurden sowohl in österreichischen als auch
internationalen Medien veröffentlicht. (siehe z.B.
http://diepresse.at/Artikel.aspx?channel=p&ressort=euw&id=566231
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fdiepresse%2Eat%2FArtikel%2Easpx%3Fchannel%3Dp%26amp%3Bressort%3Deuw%26amp%3Bid%3D566231>)
Ein Bericht der weltweit führenden Nachrichtenagentur Associated Press,
der in mehreren Sprachen und zahlreichen Medien veröffentlicht wurde,
wies auch auf die Liga für die 5. Internationale - deren österreichische
Sektion der ArbeiterInnenstandpunkt ist - hin. (siehe u.a.:
http://fr.news.yahoo.com/19062006/5/sommet-ue-etats-unis-sur-fond-de-degradation-de-l.html
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Ffr%2Enews%2Eyahoo%2Ecom%2F19062006%2F5%2Fsommet%2Due%2Detats%2Dunis%2Dsur%2Dfond%2Dde%2Ddegradation%2Dde%2Dl%2Ehtml>,
http://au.news.yahoo.com/060619/2/zg6c.html
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fau%2Enews%2Eyahoo%2Ecom%2F060619%2F2%2Fzg6c%2Ehtml>,
http://www.kuwaittimes.net/international.asp?dismode=article&artid=8549475
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fwww%2Ekuwaittimes%2Enet%2Finternational%2Easp%3Fdismode%3Darticle%26amp%3Bartid%3D8549475>,
http://www.estadao.com.br/ultimas/mundo/noticias/2006/jun/19/413.htm
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fwww%2Eestadao%2Ecom%2Ebr%2Fultimas%2Fmundo%2Fnoticias%2F2006%2Fjun%2F19%2F413%2Ehtm>,
http://www.theage.com.au/news/World/AntiBush-organisers-hope-for-10000/2006/06/20/1150701494077.html
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fwww%2Etheage%2Ecom%2Eau%2Fnews%2FWorld%2FAntiBush%2Dorganisers%2Dhope%2Dfor%2D10000%2F2006%2F06%2F20%2F1150701494077%2Ehtml>)
Am 21. Juni selber gelang uns eine außergewöhnlich erfolgreiche
Intervention. Wir führten mit einem Block von 400 Jugendlichen die
Schulstreikdemonstration an. Dieser Block zeichnete sich von Anfang bis
zum Ende durch ein äußerst kämpferisches und diszipliniertes Auftreten
aus. Selbst die konservative Tageszeitung "Die Presse" musste in einem
uns feindlich gesonnenen Artikel zugeben: "Die prominenteren Gäste
hatten mit Cindy Sheehan und den britischen Abgeordneten George Galloway
zweifelsfrei die sozialistische Jugend. Mehr Lärm machte aber die
,Revolution'-Kundgebung." (Presse 22.6., Abendausgabe, S. 6). Unsere am
Galgen baumelnde Bush-Puppe sowie die Verbrennung einer US-Flagge fand
ebenso starken Widerhall in den Medien (siehe die links zu den diversen
Medienberichten unten). Auszüge aus den Reden von Mercan Sümbültepe für
REVOLUTION und Nina Gunic für den ASt wurden in ORF-Berichten am
21. Juni wiedergegeben.
Bei der Demonstration am Nachmittag traten wir wieder als großer,
kämpferischer Block auf, was allen AktivistInnen angesichts der enormen
Hitze und der Schulstreikdemonstration sehr viel abverlangte.
Sabotage von innen
Unser Erfolg ist umso bemerkenswerter, als fünf Mitglieder unserer
Organisation mitten während unserer Kampagne eine zuerst
halb-öffentliche und dann öffentliche Verleumdungskampagne gegen den ASt
begannen. Trotz zahlreicher Diskussionen während des ganzen Monats Mai
und Angeboten für weitere Gespräche traten sie Anfang Juni aus der
Organisation aus und entfesselten eine gehässige öffentliche
Schmutzkampagne gegen ASt und REVOLUTION mit wenig politischen
Argumenten, dafür umso mehr persönlichen Verunglimpfungen. Hinter diesem
Versuch, ASt und REVOLUTION zu schaden, steckt ihre politische
Demoralisierung und Abwendung von unserem Konzept des Aufbaus einer
revolutionären Organisation, dass sich durch die Kombination eines
klaren Programms und beharrlicher Propaganda gepaart mit Aktivismus,
Engagement und einer disziplinierten Arbeitweise auszeichnet. Marxismus
ist für uns die Einheit von Theorie und Praxis und daher von Programm
und der harten Arbeit der regelmäßigen, revolutionären Tätigkeit
geprägt. Doch anstatt unser Konzept einer politischen Kritik zu
unterziehen, rechtfertigten sie ihren politischen Rückzug ins Lager der
österreichischen linken Gemütlichkeit durch groteske persönliche und
rufschädigende Anschuldigungen.
Die Freunde des US-Imperialismus im linksliberalen Lager - die
sogenannten Antinationalen - stürzten sich natürlich auf dieses
gefundene Fressen und veröffentlichten bald darauf einen ihrer üblichen
Hetzartikel gegen den ArbeiterInnenstandpunkt. (Karl Pfeifer: Interna
einer "antizionistischen" Wiener Gruppe;
http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=33&Param_RB=45&Param_Red=5807
<http://service.gmx.net/de/cgi/derefer?DEST=http%3A%2F%2Fwww%2Ejuedische%2Eat%2FTCgi%2F%5Fv2%2FTCgi%2Ecgi%3Ftarget%3Dhome%26Param%5FKat%3D33%26Param%5FRB%3D45%26Param%5FRed%3D5807>)
Dabei brauchte der Ober-Denunziant der Antinationalen - der frühere
Elitesoldat der israelischen Armee Karl Pfeifer - diesmal gar nicht so
viel selber schreiben und konnte zu 90% aus Dieter Reinischs Papier
zitieren, denn dieser und die anderen 4 ex-Mitglieder hatten ihren
verleumderischen Austrittsbrief schon selbst im Pfeifer'schen Stil
verfasst. Auch wenn unklar ist, ab welchem Zeitpunk sie genau mit uns
feindlich gesonnen Kräften zusammenarbeiteten, so überraschte es uns
keinesfalls, diese 5 ex-Mitglieder kurz nach ihrem Austritt bei der
Anti-Bush-Demonstration im Block des passiven Diskussionszirkels AGM/AL
zu sehen.
So anstrengend und nervenaufreibend die Arbeit der letzten Monate auch
war, wir können auf eine sehr erfolgreiche Periode zurückblicken.
Nachdem wir bereits im Herbst 2005 (gemeinsam mit dem Funke) den
Schulstreik gegen den Bildungsabbau am 19. Oktober organisierten, war
dies ein noch größerer Aktionstag, an dem wir federführend beteiligt
waren. ArbeiterInnenstandpunkt und REVOLUTION konnten durch die Kampagne
viele neue Jugendliche ansprechen und eine Reihe von ihnen als neue
Mitglieder aufnehmen. Wir konnten unsere Stellung als die größte linke
Alternative zur SJ im Jugendbereich in Wien ausbauen. Und wir konnten
unsere Bekanntheit um ein vielfaches erhöhen. Alles in allem: Eine
Kampagne, die von uns sehr viel forderte, aber auch einen großen Schritt
vorwärts zum Aufbau einer revolutionären Jugendorganisation und einer
revolutionären Partei bedeutet.
*************************
Auf unseren Homepages finden sich 120 Bilder sowie drei Videos. Zwei
zeigen unseren Block auf der Demonstration. Das dritte Video -
ausgestrahlt vom Wiener Privat-TV-Sender W:24 - berichtet über den
Bush-Besuch und die Proteste und zeigt dabei den ASt/REVOLUTION-Block
sowie Interviews mit Roman Birke und Michael Pröbsting. Ebenso findet
sich weiter unten ein link zu einem ORF-Video, auf dem ebenfalls unser
Block zu sehen ist.
(http://news.orf.at/video/iptvpopup.html?vienna_more_demo.wmv)
www.arbeiterInnenstandpunkt.net <http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net/>
www.revolution-austria.at <http://www.revolution-austria.at/>
Hier sind links zu Artikeln in den Medien über uns bzw. unsere Aktionen
Associated Press Bericht in verschiedenen Sprachen
http://fr.news.yahoo.com/19062006/5/sommet-ue-etats-unis-sur-fond-de-degradation-de-l.html
http://au.news.yahoo.com/060619/2/zg6c.html
http://www.kuwaittimes.net/international.asp?dismode=article&artid=8549475
<http://www.kuwaittimes.net/international.asp?dismode=article&artid=8549475>
http://www.estadao.com.br/ultimas/mundo/noticias/2006/jun/19/413.htm
http://www.theage.com.au/news/World/AntiBush-organisers-hope-for-10000/2006/06/20/1150701494077.html
ORF
http://wien.orf.at/stories/117320/
ORF Photo-Gallerie
http://slides.orf.at/wie/index.php?buid=&pool=6
<http://slides.orf.at/wie/index.php?buid=&pool=6>
Video auf ORF
http://news.orf.at/video/iptvpopup.html?vienna_more_demo.wmv
"Der Standard"
http://derstandard.at/?url=/?id=2486332
http://derstandard.at/?url=/?id=2486148
http://derstandard.at/?url=/?id=2487378
"Der Standard" Photo-Gallerie
http://derstandard.at/?url=/?id=2487727
http://derstandard.at/?id=2488949&_range=1
<http://derstandard.at/?id=2488949&_range=1>
"Die Presse"
http://diepresse.at/Artikel.aspx?channel=p&ressort=euw&id=566231
<http://diepresse.at/Artikel.aspx?channel=p&ressort=euw&id=566231>
"Die Presse" Photo-Gallerie
http://diepresse.at/diashow/default.aspx?id=566412&channel=p&template=e
<http://diepresse.at/diashow/default.aspx?id=566412&channel=p&template=e>
W:24
http://www.wienweb.at/content.aspx?id=108274&cat=16&channel=5&typ=0
<http://www.wienweb.at/content.aspx?id=108274&cat=16&channel=5&typ=0>
Video auf W:24
http://www.wienweb.at/content.aspx?id=108274&cat=16&channel=5&typ=0
<http://www.wienweb.at/content.aspx?id=108274&cat=16&channel=5&typ=0>
Kronen Zeitung
http://www.krone.at/index.php?http://wcm.krone.at/krone/S32/object_id__48667/hxcms/index.html
Kleine Zeitung
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/140270/showPhotoSerie.do?fotoIndex=11&fotoId=74352
<http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/140270/showPhotoSerie.do?fotoIndex=11&fotoId=74352>
Clandestino Photo-Gallerie
http://www.clandestino.at/
Washington Post (USA)
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/06/21/AR2006062100277.html?referrer=email&referrer=email
<http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/06/21/AR2006062100277.html?referrer=email&referrer=email>
"Washington Post" (USA) Photo-Gallerie
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/gallery/2006/06/21/GA2006062101096_metaRefresher.htm?startat=1','cwgallery_win','toolbar=no,location=no,directories=no,status=no,menubar=no,scrollbars=no,resizable=no,copyhistory=no,width=730,height=670,left=0,top=0,screenX=0,screenY=0
<http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/gallery/2006/06/21/GA2006062101096_metaRefresher.htm?startat=1%27,%27cwgallery_win%27,%27toolbar=no,location=no,directories=no,status=no,menubar=no,scrollbars=no,resizable=no,copyhistory=no,width=730,height=670,left=0,top=0,screenX=0,screenY=0>'
New York Times (USA)
http://www.nytimes.com/imagepages/2006/06/21/world/21cnd-protest.1.html
N24 (Deutschland)
http://www.n24.de/politik/ausland/?n2006062113062700002
Junge Welt (Deutschland)
http://www.jungewelt.de/2006/06-21/004.php
Zusätzlich zu diesen Veröffentlichung, zu denen links existieren, wurden
unseren Informationen nach ebenfalls Artikel über bzw. Photos von
ASt/REVOLUTION in folgenden Medien veröffentlicht:
NEWS 19/06, 11. Mai 2006
NEWS 24/06, 15. Juni 2006
Der Standard, 20. Juni 2006, S. 3
Financial Times (internationale Ausgabe), 22.6.2006, S. 2
Financial Times Deutschland, 22.6.2006, S. 12
Kleine Zeitung, 22.6.2006, S. 6-7
Tiroler Tageszeitung, 22.6.2006, S. 2
Die Presse, 22.6.2006 (Abendausgabe), S. 6
Wiener Zeitung, 22.6.2006, S. 5
Darüber hinaus wissen wir von TV-Berichten in ORF, ABC News sowie CNN am
21. Juni.
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Ost-Timor: Nein zur Militärintervention - Für Arbeitereinheit!
An 24. Juni konnte eine von Premierminister Mari Alkatiri geplante
Zusammenkunft, die den gegenwärtigen politischen Aufruhr in Ost-Timor
durch die Wahl von neuen politischen Führern besänftigen sollte, nicht
stattfinden. Vor dem Hauptsitz der Fretilin-Partei protestierten die
Massen auf der Straße. Panzer der ,internationalen Truppen', die von den
imperialistischen Uno-Mächten in Ost-Timor stationiert worden sind,
wurden eingesetzt, um das Gebäude gegen die wütenden Massenproteste
abzuschirmen. Nur 20 der 81 Parteimitglieder waren der Verabredung
gefolgt. Der Premierminister blieb ihr fern.
Der gegenwärtige Konflikt in Ost-Timor begann Ende April 2006, nachdem
hunderte Soldaten im Westteil des Landes eine Bittschrift gegen
Diskriminierung in der Armee unterzeichnet hatten. Eine Demonstration
der Unterzeichner am 28. April geriet außer Kontrolle. 25 Tote und
150.000 Flüchtlinge waren zu beklagen. Rebellenführer Alfredo Reinado
und seine Soldatengruppe ging in die Berge und rief den Widerstand gegen
Alkatiri und dessen Ergebenheit gegenüber dem Präsidenten Xanana Gusmao aus.
Alkatiri und seine Fraktion in der Fretilin-Partei verkörpern trotz
nationalistischer Rhetorik die Interessen des portugiesischen Kapitals,
das sich seinen Profitanteil aus der neoliberalen Überausbeutung der
Landesreichtümer sichern will. Unter seiner Herrschaft hat sich die
Korruption stark ausgebreitet, was den Hass und den Widerwillen der
Bevölkerung, die in tiefer Armut in Südostasiens ärmstem Land leben,
noch erhöht hat. Nun ist die Partei gespalten. Alkatiri steht auf der
einen, der frühere Führer der Befreiungsbewegung, Präsident Gusmao auf
der anderen Seite.
Gusmao ist seinerseits mit der imperialistischen australischen Regierung
verbündet. Seine Bereitwilligkeit zum Kompromiss mit dem Imperialismus
wird durch seine Annahme eines Friedensangebotes deutlich, als die
Unabhängigkeit von Indonesien durch wirtschaftliche (und nun auch
militärische) Abhängigkeit von imperialistischen Mächten wie Australien
erkauft wurde. Er hat auch keine alternative Lösung der jetzigen Krise.
Obwohl er wiederholt gefordert hat, dass Alkatiri Verantwortung für die
Tötungen im Mai und den Ausbruch des Konflikts übernehmen und
zurücktreten müsse, gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass das geplante
Parteitreffen zu einer Lösung der Krise beitragen werde.
Der Ausbruch des Konflikts in Fretilin und der Armee darüber, welchem
Imperialismus - dem australischen oder portugiesischen - der Löwenanteil
von Ost-Timors natürlichen Reichtümern und denen des angrenzenden
Seegebietes zufallen solle, hat die zerbrechliche Einheit beim
Unabhängigkeitskampf erschüttert. Das hat zur Teilung des Landes in zwei
Hälften, zu Spannungen zwischen verschiedenen Stämmen und sogar Familien
geführt. Auch ethnische Säuberungen hat es in den Vororten der
ost-timoresischen Hauptstadt Dili gegeben.
Diese Spannungen sind letztlich Resultat der schrecklichen
wirtschaftlichen und soziale Lage der Massen in Ost-Timor, eine Folge
des Ausverkaufs der Fretilin-Partei an das imperialistische Kapital und
seiner Unterordnung unter die neoliberalen Wirtschaftsreformen nach der
Unabhängigkeit des Landes von Indonesien 1999. Zusätzlich haben sich die
großzügigen, aber unbestimmten Angebote der westlichen imperialistischen
Mächte, Ost-Timor nach der Unabhängigkeit zu entwickeln, wie die meisten
Versprechen dieser Art am Ende in Luft aufgelöst.
Heute ist die Lage für die Massen in Ost-Timor erschreckend. Während der
vergangenen sieben Jahre verfügte die Fretilin-Regierung kaum über
Mittel zur Investition in die Befriedigung der Bedürfnisse der
Bevölkerung. Nur 50% der Jugendlichen hat Zugang zu Schulbüchern. Die
Analphabetenquote liegt bei 25%. Der Hälfte der Bevölkerung fehlt es an
sauberem Wasser. Drei von fünf Osttimoresen verfügen über keine
sanitären Anlagen.
Der offene Ausbruch von Gewalt war der gesuchte Vorwand für die
australische Regierung zur Intervention mit 2.200 Soldaten. Australiens
Truppenpräsenz hat keinerlei progressive Auswirkungen für eine Lösung
der Krise. Sie baut keine Schulen oder schafft neue Arbeitsplätze. Sie
dient nur der Stärkung der imperialistischen Kontrolle Australiens über
das Land und zwingt ihm eine reaktionäre Form von Stabilität auf.
Australiens internationale Konzerne beuten Ost-Timors natürliche
Reichtümer aus, stehlen insbesondere die Öl- und Gasvorräte in der
Timor-See im Wert von 1 Million australischen Dollars pro Tag und sind
somit eine wertvolle Quelle für die australische Kapitalistenklasse. 365
Millionen Dollar im Jahr an Rückfluss nach Australien stehen nur 43
Millionen Dollar Hilfe der australischen Regierung an Ost-Timor für 2006
und 2007 gegenüber. Vor diesem Hintergrund, aufgrund dieser
Klasseninteressen fand die Militärintervention statt.
Das Alarmierende in der heutigen Lage ist das völlige Fehlen einer
unabhängigen Arbeiterpartei und von Gewerkschaften, die
Arbeiterinteressen schützen und für sie eintreten können. Eine solche
Alternative könnte die verschiedenen ArbeiterInnen unabhängig von ihrer
Stammeszugehörigkeit entlang eines Programms zur Beendigung der Krise
vereinen.
Ein solches Programm müsste notwendigerweise ein revolutionäres
Aktionsprogramm sein. Es müsste sich zur Aufgabe machen, die
imperialistischen Kräfte hinaus zu werfen, die Öl-, Gas- und andere
Vorräte entschädigungslos zu verstaatlichen, sie unter Arbeiterkontrolle
zu stellen und von einer Arbeitermiliz schützen zu lassen. Ohne dies
wird es keine Ende der sozialen und Wirtschaftskrise geben.
Es ist höchste Zeit, den Kampf um die wirkliche Unabhängigkeit des
ostimoresischen Volkes erneut aufzunehmen. Das heißt Bruch mit den
beiden bürgerlichen Fraktionen von Fretilin - mit der dem
portugiesischen Imperialismus gegenüber freundlichen wie mit jenem dem
australischen Imperialismus freundlichen. Eine solche Unabhängigkeit
könnte nur das Resultat eines revolutionären Kampfes der Arbeiterklasse
sein und in der Schaffung einer Regierung der ArbeiterInnen und armen
Bauern gipfeln.
Aber ein isoliertes sozialistisches Ost-Timor wäre eine Unmöglichkeit.
Revolutionäre KommunistInnen in Ost-Timor müssten sich mit ihren
Klassen-Geschwistern in Australien, Indonesien, der Region und der Welt
verbinden. Nur die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Südostasien
könnten die wirtschaftlichen, sozialen und ethnischen Teilungen der
Region überwinden, die vom Imperialismus und den nationalistischen
bürgerlichen Regierungen genährt werden.
Vereint können die ArbeiterInnen und Bauern der Region einen siegreichen
Widerstand gegen alle imperialistischen Mächte aufbauen, die danach
trachten, die großen natürlichen Reichtümer der Region auszuplündern.
ArbeiterInnen auf der ganzen Welt haben die große Verantwortung, dem
Kampf der ArbeiterInnen und Bauern von Ost-Timor und der ganzen Region
materiell und politisch beizustehen.
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Chile - Mai 2006: Aufstand der Pinguine
Ein Augenzeugenbericht
In Chile haben sich 1,3 Millionen OberschülerInnen im Mai und Juni
dieses Jahres in einem monatelangen Kampf gegen die neoliberale
Organisation des Bildungswesens engagiert. Wegen ihrer schwarz-weißen
Schuluniformen tragen sie den Spitznamen Pinguine; ihr Kampf gegen die
brutalen Polizeitruppen, die ein Erbe der Pinochet-Diktatur sind, heißt
deswegen "Aufstand der Pinguine" (el levantamiento de los pinguinos).
Das wichtigste an diesem Aufstand ist das direkte Auftreten gegen das
gesamte neoliberale Programm dieser und voriger chilenischer
Regierungen. Das chilenische neoliberale Modell ist das älteste der Welt
- noch vor Thatcher und Reagans Politik. Es wurde durch die blutige
Diktatur eingeführt, die den Präsidenten Allende am 11.9.1973 stürzte.
Über 3.000 SozialistInnen und GewerkschaftlerInnen wurden hingerichtet
oder ,verschwanden' spurlos. Mehr als 27.000 wurden eingekerkert und
gefoltert, noch mehr mussten außer Landes flüchten.
Dieser Blutspur folgte das chilenische Modell drei Jahrzehnte und wurde
in ganz Lateinamerika als glänzendes Beispiel für "Entwicklungspolitik"
nachgeahmt.
Nun kommt gibt Chile ein anderes Beispiel: eine ganz neue Generation hat
sich dem kontinentalen Widerstand gegen den Neoliberalismus
angeschlossen. Dies kann große Folgen für die künftige politische
Entwicklung in Chile und darüber hinaus haben.
Im Mittelpunkt der Schülerbewegung stand die Forderung nach Abschaffung
des verhassten organischen verfassungsmäßigen Bildungsgesetzes, das
einen Tag vor Pinochets Amtsabschied im März 1990 in die Verfassung
aufgenommen wurde. Dieses Gesetz überantwortet das Bildungswesen den mit
geringen Finanzmitteln ausgestatteten örtlichen Verwaltungen und bahnt
der Privatisierung von Schulen, Fachhochschulen und Universitäten den
Weg. Laut Meinungsumfragen haben 84% der chilenischen Bevölkerung den
Schülerkampf unterstützt, nur ganze 14% haben das Verhalten der
Regierung dazu gebilligt.
Einer der wichtigsten Punkte war die Selbstorganisation der
SchülerInnen. An den Oberschulen wählten sie Abordnungen aus jeder
Schulklasse. Diese bzw. die Klassensprecher wählten einen Schulsprecher.
Jene wiederum wählten auf Regionaltreffen aus ihren Reihen Abordnungen
zu einem landesweiten Treffen in der Landeshauptstadt Santiago. Dort
wählten sie dann ihre Sprecher beiderlei Geschlechts als reguläre
Vertreter der Bewegung. Alle Führer konnten auf ihren jeweiligen
Ebenenversammlungen wieder abgewählt werden, wenn sie sich nicht an die
Beschlüsse gehalten haben, und durch andere ersetzt werden, die den
Beschlüsse Folge leisten.
Sie führten eine wirkliche eiserne Disziplin ein: kein Delegierter
konnte mit persönlicher Meinung auftreten, sondern durfte nur das
äußern, was von den Schülerversammlungen demokratisch vereinbart worden
war. Sehr wichtig war auch, dass niemand Informationen an die Medien
darüber durchsickern ließ, was geplant oder beschlossen worden war. An
jeder Schule organisierten sie Ausschüsse: für Sicherheit, Sauberkeit,
Propaganda, Versorgung, Spendensammlung, Unterhaltung usw. Rauschmittel
(auch Alkohol) waren auf dem Schulgelände verpönt.
Hinter verschlossenen Schultüren organisierten sich die SchülerInnen in
Hinblick auf den schulischen Alltag mit gegenseitiger Hilfe, aber auch
für die Zukunft ihrer Bewegung. Sie besetzten die Gebäude, so dass
wenigstens immer 30 SchülerInnen anwesend waren. Verständnisvolle Eltern
ließen ihre Kinder dort auch übernachten. Einkäufe, Küchendienst usw.
wurden organisiert und eine Musikanlage aus Spenden sorgte für
Reggaebeschallung. Den größten Teil ihrer Zeit verbrachten die
Jugendlichen mit Diskussionen über den weiteren Kurs der Bewegung.
Sie erübrigten sogar Zeit, die sanitären Anlagen und Schulmauern mit
Bildern aus ihrem Kampf künstlerisch zu verzieren oder Theaterstücke zu
schreiben, um ihre Mitschüler und Gäste zu unterhalten. Wir wurden in
das Barros Arana-Internat eingeladen und durften einer kurzen
Satireaufführung über die Regierung beiwohnen.
Während der vielen Demonstrationen in den Städten, v.a. in Santiago,
mischten sich gelegentlich kriminelle und lumpenproletarische Individuen
unter die SchülerInnen und versuchten, sie zu bestehlen. Aber die
SchülerInnen schnappten sich diese Verbrecher und Provokateure und
verpassten ihnen eine Abreibung. Die Schülerbewegung nahm also ihre
Wach- und Rechtsaufgaben wahr.
Seit Streikbeginn haben viele Schüler das Gesetz zur Bildungsstruktur in
Chile verstanden. Die Schüler des Lyzeums B-30 and viele andere
verdanken dies dem Einsatz von StudentenInnen, die sie mit Material und
Kurzvorträgen über die Politik und ihre Auswirkungen auf das chilenische
Bildungswesen versorgten. Ein Organisator des Lyzeums erzählte, dass
seine Klassenkameraden binnen drei Tagen schnell die Politik als
Hintergrund der Bildungsmisere begriffen hatten. Diese Erkenntnis
veränderte die Zielsetzungen der Oberschülerbewegung von reinen
Kostenverbilligungsforderungen zu einem durchgreifenden Aufstand gegen
die Bildungspolitik in Chile.
Die SchülerInnen waren baldmöglichst lern- und verständniseifrig, nicht
nur in Bildungs-, sondern auch in gesamtpolitischen Fragen. Unser
Material, wie auch das anderer linker Gruppen, wurden unter den
Mitschülern verteilt. Als uns die Exemplare ausgingen, plakatierten sie
mit dem Restbestand die Mauern, so dass jeder unsere Schriften und alle
Infos oder politischen Positionen zu den sie betreffenden Problemen
nachlesen konnte.
Am Sonnabend, dem 3. Juni, 2 Tage nach dem landesweiten Streik, luden
die Schüler alle politischen und gesellschaftlichen Organisationen zum
Meinungsaustausch in das Barros Arana-Nationalinstitut von Quinta Normal
Santiago ein. Alle Abordnungen durften das besetzte Gebäude betreten,
mussten aber ihre Personalausweise am Geländezugang abliefern. Alle
VertreterInnen durften ein paar Minuten sprechen und hörten aufmerksam
den vielen Beiträgen zu. Als einige Schüler die reformistischen
Parteiführer ausbuhen wollten, schritten die Diskussionsleiter ein und
ließen die Redner ausreden. Die Atmosphäre war äußerst demokratisch, und
kein Medienvertreter oder Fotograf war in der Versammlungshalle zugelassen.
Die Schüler beschlossen, den landesweiten Boykotttag auf dem besetzten
Schulgelände abzuhalten. Doch die Patriotische Front Manuel Rodriguez
rief zu Demo und Kundgebung in der Innenstadt von Santiago auf. Als die
Medienreporter später wegen der verschiedenen Taktiken einen Keil
zwischen die Schülerbewegung und linken Gruppen zu treiben versuchten,
lehnten es die SchülerInnen ab, die Linken zu kritisieren.
Durch diese Haltung insgesamt wird klar, dass die Schüler die besten
Elemente der revolutionären Demokratie wieder entdeckt haben,
Redefreiheit, demokratische Art der Austragung von Streitgesprächen,
demokratische Schülerräte mit Handlungsvollmacht und Entfernung von
Führern oder Gruppen, die die Disziplin der Bewegung, Gemeinschaft und
des Solidaritätsgrundsatzes verletzen. Das ist eine sehr bedeutsame
Errungenschaft in einem Land, das noch die Narben der Diktatur und des
faulen Kompromisses durch die reformistischen Parteien, sowohl der
Sozialisten wie der Kommunisten, trägt, dass einen Übergang zur
bürgerlichen Demokratie erlebt hat, das Pinochet und den Folterknechten
Straffreiheit ließ und den staatlichen Unterdrückungsapparat - Polizei
und Armee, die mit Pinochet-Leuten besetzt waren - nicht antastete.
Dem Streik schlossen sich am Montag, dem 5. Juni mehr als 1 Million
Schüler, Lehrer, medizinisches Personal und andere an. Der chilenische
Gewerkschaftsverband CUT verweigerte sich in beschämender Weise dem
Streikaufruf der Schüler. Berichten von außerhalb Santiagos zufolge gab
es in anderen Städten von dieser Seite aber mehr Rückhalt für den
Streik, zumal dort der Einfluss der Gewerkschaftsbürokratie weniger
stark ist. Die chilenische KP forderte eine Reform des Gesetzes, während
die SchülerInnen für dessen völlige Abschaffung sind. Eingedenk vieler
Straßenkämpfe gegen die Polizei beschlossen die Schüler an jenem Tag die
Besetzungen von Schulen. Leider riefen sie jedoch nicht zu einer
zentralen Demonstration auf, die alle Regierungsgegner hätte vereinigen
können. Aber sie kritisierten andere Organisationen auch nicht für den
Aufruf zu einer solchen Demonstration in Santiago.
Einer der Gründe, warum die SchülerInnen den Beschluss zum Verbleib auf
dem besetzten Gelände fassten - und es gibt tausende solcher Besetzungen
- liegt in den vielen Zusammenstößen mit der Polizei während der
vergangenen Wochen und in allen Großstädten, wo viele Schüler verhaftet
wurden. Um Atem schöpfen und den Rückhalt in der Bevölkerung bewahren zu
können, beschlossen sie Treffen, Musik und Volkstheater auf dem
besetzten Schulgelände zu veranstalten.
In einer Gruppe von Genossen besuchten wir die Besetzungen und
verteilten dort tausende von Sonderzeitungen für die Schüler, die wir
,El Pinguino Rojo y Negro' (Der rot-schwarze Pinguin) nannten. Wir
wurden sofort zu Gesprächen und Diskussionen auf das Gelände eingeladen.
Am Abend reihten wir uns in den Aufmarsch in Santiagos Innenstadt ein.
Trotz amtlicher Genehmigung für diese Demo, die von Manuel Rodriguez
Patriotischer Front, dem früher bewaffneten Arm der KP und anderen
Organisationen am frühen Nachmittag angemeldet worden war, entzog die
Stadtverwaltung der Demo die Erlaubnis. Aber tausende von Jugendlichen
und anderen Aktivisten kamen trotzdem in der Stadt zusammen, um gegen
die Regierung und für die Unterstützung der Schüler aufzutreten.
Eine Gruppe von GeschichtsstudentInnen erschienen mit einem Transparent
,Wir nehmen an keinen Geschichtsseminaren teil, Geschichte wird auf der
Straße gemacht'. Die polizeiliche Eingreiftruppe trat uns gegenüber.
Große Wasserwerfer (guanacos), Gruppen schwer bewaffneter Polizisten,
Lastwagen mit Tränengaskanistern und merkwürdige Busse, die für
Verhaftete bestimmt waren, waren bereits am frühen Morgen in der
Innenstadt an den Verkehrsknotenpunkten rund um die Universität und
darüber hinaus aufgeboten worden.
Um 17 Uhr brachen Handgemenge zwischen Jugend und Eingreifpolizei nahe
der nationalen Bibliothek aus, die sich zur Universität und dem
benachbarten, von Schülern besetzten Nationalinstitut ausweiteten.
Gruppen von Jugendlichen kamen aus der Universität und bewarfen die
verhasste Polizei und die Wasserwerfer mit Steinen. Dann tauchte eine
andere Schülergruppe auf und bekleckerte vom Dach der Universität aus
die Polizeischwadron mit Wandfarbe. Ein Katz und Maus-Spiel begann und
setzte sich bis tief in die Nacht fort. Die Innenstadt war von
Tränengasschwaden durchzogen. Während der Nacht attackierten
Neonazi-Gruppen einige der besetzten Schulen. Die SchülerInnen stellten
darauf hin ,Sicherheitsausschüsse' auf, bewaffnet mit Metallstangen und
Keulen. Studenten eilten den Oberschülern zu Hilfe.
Die Schüler im Aufstand und die sich daran anschließenden Studenten
verkörpern eine ganz neue Generation im Kampf. Sie wurden nicht unter
der Pinochet-Diktatur geboren, sondern in den Aufschwungjahren des
chilenischen Wirtschaftswunders, der bürgerlich-reformistischen
Regierung der Concertacion. Jetzt will die Jugend ihren Anteil an der
,Entwicklung', insbesondere seit sich der Kupferpreis sich wegen der
Nachfrage aus China verdoppelt hat.
Aber sie kämpfen für weit mehr. Sie begehren auch gegen die
,Verbrauchergesellschaft' und die Privatisierungsprogramme der Regierung
auf. Die Idee, Bildung zum Geschäft zu machen, hat Widerwillen erzeugt.
Dies drückt sich in Transparenten in Santiago aus, auf denen es u.a.
heißt: ,Um vermarktete Bildung zu bekämpfen, brauchen wir organisierte
Schüler'.
Gegenwärtig haben die Schüler der Regierung einige Zugeständnisse wie
kostenlose Schülerfahrkarten, kostenlose Schulspeisungen für arme
Schüler, das Versprechen, die langen Schulstunden zu revidieren,
bedürftige Schüler zu unterstützen usw. abgerungen. Ihr Kampf ist selbst
bei den Kindern der Reichen in vornehmen Privatschulen und Universitäten
angekommen. Viele von ihnen waren auch besetzt und streikten solidarisch
mit anderen Schülern. Im Augenblick herrscht Waffenstillstand. Die
Regierung versucht, zu manövrieren und hat eine Sonderkommission
beauftragt, ein Programm für Verbesserungen im Bildungsbereich
aufzusetzen, während die Studenten das Recht auf ein kostenloses und
allgemein öffentliches Bildungssystem verlangen und das Recht der
Schüler, Eltern und Lehrer zu Entwürfen zur Neufassung der Bildungsgesetze.
Die Sonderkommission soll in drei Monaten Vorschläge anbringen. Aber die
Schüler wollen keine Elitebildung, sondern die Abschaffung des aus der
Diktaturzeit stammenden organischen verfassungsmäßigen Bildungsgesetzes.
Sie sind bereit, den Kampf wieder aufzunehmen, wenn die Kommission und
das Parlament ihnen nicht das Verlangte geben. Alle Hoffnungen, dass
Präsidentin Bachelet, die im Januar gewählt und seit dem 11. März im Amt
ist, sich grundlegend von ihren Vorgängern unterscheidet, schwindet
schon jetzt bei vielen Schülern. Auf Plakaten in Santiago heißt es
,Bachelet - Reden für die Armen - Regierung für die Reichen': trotz des
Umstands, dass Bachelet zusätzlich 135 Millionen in den Bildungshaushalt
pumpen will, 10.000 zusätzliche Schulmahlzeiten, Gebührensenkung für
universitäre Aufnahmeprüfungen und andere kleine Zugeständnisse
angekündigt hat.
Wichtigster Punkt aber ist, dass dieser Kampf einen Wendepunkt im
chilenischen Klassenkampf bedeutet. Mit ihm wurde ein neues Kapitel der
Übergangszeit nach den Diktaturjahren und der wirtschaftlichen
,Entwicklung' aufgeschlagen. Anti-Neoliberale und sogar
antikapitalistische Gedanken traten wieder in den Vordergrund. Diese
Wochen des Massenkampfs junger Leute bieten große Möglichkeiten,
Unterstützung für ein revolutionär sozialistisches Programm in den
kommenden Monaten und Jahren aufzubauen.
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Termine
Schulungen des ArbeiterInnenstandpunkt im Sommer
Der ArbeiterInnenstandpunkt veranstaltet im Sommer eine Schulungsreihe,
bei der verschiedene Aspekte der marxistischen Theorie beleuchtet
werden. Sie finden - abgesehen von einer Pause in der zweiten Julihälfte
- jeden Freitag statt. Mit Ausnahme des ersten Termins am 7. Juli
beginnen sie alle ausnahmslos um 18.00. Die Treffen finden im
Amerlinghaus statt (Stiftgasse 8, 1070 Wien, U3 Neubaugasse)
Freitag, 7. Juli, 19.00
Das Kommunistische Manifest
(Literatur: Das Kommunistische Manifest, Kann über uns bezogen oder über
das Internet heruntergeladen werden:
http://marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1848/manifest/index.htm)
Freitag, 14.Juli, 18.00
Zum Organisationsaufbau einer revolutionären Organisation
(Literatur: Thesen zum Organisationsaufbau der Kommunistischen Partei,
Resolution der Kommunistischen Internationale. Kann über uns bezogen werden)
Freitag, 4.August, 18.00
Die marxistische Staatstheorie
(Literatur: Lenin: Staat und Revolution. Kann über uns bezogen oder über
das Internet heruntergeladen werden:
http://marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/staatrev/index.htm)
Freitag, 11.August, 18.00
Was ist Faschismus?
(Literatur: Leo Trotzki: Portrait des Nationalsozialismus. Kann über uns
bezogen oder über das Internet heruntergeladen werden:
http://marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1933/06/natsoz.htm)
Freitag, 18.August, 18.00
Die marxistische Wirtschaftstheorie
(Literatur: Karl Marx: Lohn, Preis und Profit. Kann über uns bezogen
oder über das Internet heruntergeladen werden:
http://www.mlwerke.de/me/me16/me16_101.htm)
Freitag, 25.August, 18.00
Strategie und Taktik der Bolschewismus
(Literatur: Lenin: Der linke Radikalismus - die Kinderkrankheit im
Kommunismus, Kann über uns bezogen oder über das Internet
heruntergeladen werden: http://www.linksruck.de/litera/klassik/l_lira.htm)
Freitag, 1.September, 18.00
Imperialismus und Krieg
(Literatur: Leo Trotzki: Lenin und der imperialistische Krieg. Kann über
uns bezogen werden)
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Kontaktadressen
ArbeiterInnenstandpunkt:
Stiftgasse 8, 1070 Wien
E-Mail: info@arbeiterinnenstandpunkt.net
<mailto:info@arbeiterinnenstandpunkt.net>
Tel.: 0650/406 83 14
http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net
<http://www.arbeiterinnenstandpunkt.net/>
Revolution
Stiftgasse 8, 1070 Wien
E-Mail: onesolutionrevolution@gmx.at <mailto:revo_austria@hotmail.com>
http://www.revolution-austria.at/
Die website der Liga für die 5. Internationale (LFI):
http://www.fifthinternational.org/ <http://www.workerspower.com/>
Weitere websites der LFI:
http://workerspower.com/ (Britannien)
http://www.arbeitermacht.de/ (Deutschland)
http://www.arbetarmakt.com/ (Schweden)
http://www.pouvoir-ouvrier.org/ (Frankreich)
http://sop.revoluce.info (Tschechische Republik)