Des WKR-Balls neue Kleider

Jedes Jahr die selbe Scheiße ist wohl auch wieder das Motto des neuen Jahres. Denn nicht nur die Wehrpflicht bleibt – trotz aller Reformversprechen von Seiten der Regierung – in ihrer alten Form bestehen. Oder etwa die systematische Unterdrückung von Asylwerber*innen trotz monatelanger Proteste. Nein, auch am rechten Rand bleibt alles beim Alten. Zum 60. mal jährt sich dieses Jahr der Ball des Wiener Korporationsringes (WKR), diesmal jedoch in neuem Gewand, halbherzig verschleiert als 1. Wiener „Akademikerball“.

Erfolgreicher Antifaschismus

Der Grund für diesen Namenswechsel sind die erfolgreichen Proteste der vorigen Jahre. Zwar waren diese in den Jahren 2010 und 2011 von der Öffentlichkeit und einer breiten Beteiligung isoliert, und wurden deshalb auch kurzer Hand kriminalisiert, doch wuchs – wahrscheinlich gerade auch auf Grund der undemokratischen Kriminalisierung durch die Polizei – die mediale Aufmerksamkeit und die Empörung in der Bevölkerung über das schaurige Spektakel in der Hofburg.

Letztes Jahr war es dann so weit – der WKR sollte endgültig den Protesten weichen! Neben dem traditionellen autonomen „NO WKR“ Bündnis gründete sich das linke Bündnis „Offensive gegen rechts“, bei welchem wir von Anfang an dabei waren, und welches sich zum Ziel setzte den Ball durch Blockaden zu verhindern. Dass der Ball mit dem Tag der Befreiung von Auschwitz zusammen fiel, und wohl die Tatsache, dass die gerechtfertigten Proteste allein auf die Rechnung der radikalen Linken gingen, das waren wohl die Faktoren durch die SPÖ und Grüne sich unter Druck gesetzt fühlten, und das zivilgesellschaftliche Bündnis „Jetzt Zeichen setzen“ ins Leben riefen. Insgesamt waren bis zu 10 000 Demonstrant*innen auf den Straßen und machten die Mobilisierungen gegen den Ball zu einem vollen Erfolg. Auch die gelungenen Blockaden, mit denen Burschenschafter in Bussen und Taxis an der Anfahrt gehindert wurden waren ein wichtiger Fortschritt für antirassistischen und antifaschistischen Protest in Österreich.

Schon im Vorfeld kündigte die „Wiener Hofburg Kongresszentrum Betriebs-GmbH“ unter dem Druck der Öffentlichkeit den Vertrag mit dem WKR auf Grund der „aktuellen politischen und medialen Dimension, welche die Abhaltung des WKR-Balles in den letzten Jahren angenommen hat“ . Doch das hinderte sie nicht daran den Ball unter anderem Namen in nächsten Jahr wieder zu zu lassen

Das alte Programm

Schon letztes Jahr kündigte Strache an für den Fortbestand des WKR-Balls zu sorgen: Ich habe mich von Beginn an dafür eingesetzt und ich kann sicherstellen, der WKR-Ball wird – gleich in welcher Form – auch in Zukunft stattfinden.“ Gesagt – getan.

Dass es sich bei der „Tanzveranstaltung“ um den selben Inhalt handelt, wie beim Original ist nicht nur durch Straches Aussage offensichtlich. Schon wenn man die ursprüngliche Homepage des WKR-Balles „http://wkr-ball.at“ besuchen will, wird man automatisch auf die Seite des Akademikerballes verlinkt. Auch ist gerade der Organisator des WKR Balls 2012, Udo Guggenbichler, Obmann des Vereins „Wiener Akademikerball-Ballausschuss – Verein für Wissenschaft, Forschung, Kultur, und Menschenrechte“. Sieht man sich das Programm des neuen Balls an, findet man dort eine „Fächerpolonaise des Jungdamen- und -herren-Komitees (Aktive der Wiener Korporationen)“.

Man macht sich also nicht mal Mühe die Kontinuität zwischen WKR-Ball und Akademikerball zu verschleiern, ganz im Gegenteil wird offensichtlich versucht klar zu machen, dass es sich bei der Anmeldung des Akademikerballes durch die FPÖ Wien bloß um einen „bürokratischen Akt“ handelt, wie Herwig Götschober, Schriftwart des Vereins „Wiener Akademikerball-Ballausschuss“, in einem offenen Brief an unzufriedene WKR-Burschenschafter beteuert. (http://www.dieburschenschaften.de/aktuelle-berichte/bericht/meldung/779/wkr-ball-fp.html) Auch auf dem Internetportal „unzensuriert.at“ von Martin Graf, 3. Nationalratspräsident und „Alter Herr“ bei der Burschenschaft Olympia, finden sich zahlreiche Artikel (wie etwa mit der Überschrift „WKR-Ball wird zum Wiener Akademikerball“) welche die Identität der beiden Bälle klar machen.

All das kümmert die Geschäftsführung nicht im geringsten. Zwar empfindet Hofburgchefin Renate Danler die Verlinkung von der WKR-Ball Homepage auf jene des Akademikerballs in einem Interview mit dem Standard als „unerhört“, jedoch handelt es sich für sie ja um einen anderen Ball, da ja die FPÖ Wien die Veranstalterin ist, darüber hinaus ist ein Ball ja „nichts politisches“ und „Wenn ein Veranstalter sich nichts zuschulden kommen lässt, die Gesetze einhält, zahlt, im Rahmen

des österreichischen Rechts- und Verfassungsbogen arbeitet, tun wir uns schwer, einen Ball abzusagen.“. Als die Hofburg Ende 2011 noch unter starkem medialen und politischen Druck stand, schien ein solches Vorgehen allerdings sehr einfach.

Verbindungen zur FPÖ

Entgegen Danlers Meinung ist der Ball am 1. Februar sogar äußerst politisch. Das zu leugnen bedarf einer von zwei möglichen Voraussetzungen, entweder Realitätsverweigerung oder die Notwendigkeit von (schlechten) Ausreden. Der politische Charakter drückt sich einem allein schon dadurch unangenehm aufs Auge, dass die „Tanzveranstaltung“ von einer politischen (!) Partei – der FPÖ – veranstaltet wird. Wie schon im letzten Jahr und in den Jahren davor nutzt diese rassistische Partei auch gleich die Gelegenheit um sich, wie etwa durch die Reden Straches, in ihrem burschenschaftlichen Klientel zu profilieren. Von der anderen Seite betrachtet nutzen die Burschenschaften, die eng mit der FPÖ verbunden sind, ihren Einfluss in der Partei um ihre Interessen durchzusetzen. Nun fallen in vielen Fällen diese beiden Interessen zusammen, wie etwa bei Strache selbst, der ja Mitglied bei der pennalen Burschenschaft Vandalia ist. Für die Burschenschaften ist das enge Verhältnis zur FPÖ natürlich sehr rentabel, denn nicht nur für skandalisierte Bälle liefert sie Ersatz, sie ermöglicht auch das Eindringen in politische Instanzen wie Gemeinderat oder Nationalrat, bietet politischen Einfluss, eine mächtige Verbündete und somit auch einen gewissen Schutz. Beispielsweise besteht der Rathausklub der FPÖ fast zur Hälfte aus Korporierten. RFJ-Obmann Dominik Nepp, Johann Herzog, Eduard Schock,Gerald Ebinger, Armin Blind und Rudolf Stark sind Mitglied bei der Burschenschaft Aldania, die auch Teil des WKR ist. Klubvorsitzender Johann Gudenus ist wie Strache Mitglied bei der Vandalia. Wolfgang Jung und Udo Guggenbichler gehören der Burschenschaft Albia an, ebenfalls dem WKR angehörig. Dietbert Kowarik und Alfred Wansch gehören zur Burschenschaft Olympia, welcher auch der dritte Nationalratspräsident Martin Graf angehört, Bernhard Rösch ist Mitglied bei der Burschenschaft Gothia, beide sind wieder Teil des WKR. Ähnlich ist die Situation im Nationalrat, wo die FPÖ 13 Burschenschafter stellt.

Reaktionäres Spektakel

Eben diese deutschnationalen Burschenschafter, deren Einfluss bis in Politik und Wirtschaft reicht, sind die hauptsächlichen Teilnehmer des Balles. Diese sind keineswegs harmlos, sondern nehmen im rechten Milieu die Funktion einer Verbindung zwischen Rechtspopulismus und Neonazismus ein, sind also durchaus dem rechtsradikalen Milieu zuzuordnen. Der WKR-Ball diente in der Vergangenheit als Vernetzungstreffen der rechten Szene und ihren Größen wie Marine Le Pen, die letztes Jahr den Ball besuchte und dafür in den französischen Medien stark kritisiert wurde, aber auch andere bekannte Rechtsradikale wie Markus Beisicht, Patrick Brinkmann, Philip Dewinter, Alexander Dugin, Matthias Faust, Bruno Gollisch, oder Enrique Ravello ließen sich dort finden. Weiters ist ein Ball, besonders wenn er in der Hofburg statt findet, eine sehr gute Möglichkeit um sich in der Öffentlichkeit als anständig, etabliert, gehoben, und kulturell zu präsentieren, und somit den Burschenschaften zu einem Ansehen zu verhelfen, welches sie in keinster Weise verdient haben.

Der Wiener Korporationsring, welcher den Ball bisher veranstaltete, ist ein Dachverband von 20 deutschnationalen Burschenschaften unter denen sich die rechtesten der rechten Burschenschaften, wie etwa die Olympia, finden. Der WKR veranstaltet jährlich neben dem Ball das „Totengedenken“ am 8. Mai, am Tag der Kapitulation Hitler-Deutschlands, die bekannten wöchentlichen Farbenbummel an der Wiener Universitätsrampe, und eine Sonnwendfeier am 21. Juni, ein altes heidnisches und angeblich germanisches Fest, welches auch zur Zeit des Nationalsozialismus gefeiert wurde. Die Burschenschaft Olympia ist vermutlich die am weitesten rechtsstehende Burschenschaft in Österreich. Sie wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft. Sie wurde 1961 aufgelöst, da mehrere Olympen in Bombenanschläge in Südtirol verwickelt waren. Unter ihnen war der bekannte Neonazi Norbert Burger, welcher 1967 die Nationaldemokratische Partei gründete, die 1988 wiederum wegen Wiederbetätigung verboten wurde. Seither steht sie immer wieder unter der Kritik bekannte Geschichtsrevisionist*innen und Neonazis bei sich einzuladen, etwa den Holocaust-Leugner David Irving, oder den NPD Funktionär und Liedermacher Jörg Hähnel.

Bei anderen Burschenschaften sieht es ähnlich aus, wiederum andere weigern sich sich von Vorfällen, wie jenen die bei der Olympia passiert sind zu distanzieren, oder sich allgemein von faschistischem Gedankengut loszusagen.

Wehret den Anfängen!

Es ist daher eine dringliche Aufgabe mit unserem Protest darauf aufmerksam zu machen, was am 1. Februar in der Hofburg passiert, und was für finstere Gestalten sich dort herum treiben. Mittlerweile sind den meisten Österreichern und Österreicherinnen der WKR-Ball, und die jährlichen Proteste die dagegen statt finden, durch die Medien bekannt. Dass die Aufmerksamkeit die dem Thema gewidmet wird sowie die dadurch erreichte Sensibilisierung der Erfolg der radikalen Linken ist, wird hierbei gerne verschwiegen. Diese Aufmerksamkeit kann dazu genutzt werden die Machenschaften der Burschenschaften aufzuzeigen, sowie antifaschistische Inhalte zu verbreiten. Doch allein durch Aufklärung lassen sich Rassismus und Faschismus nicht bekämpfen.

Gerade erst wurde in Oberösterreich das Nazinetzwerk „Objekt 21“ ausgehoben, welches schwer bewaffnet war und mit Waffen handelte. In Griechenland veranstalten die Faschist*innen von Chrysi Avgi Hetzjagden gegen Migrant*innen und Linke. Der Faschismus ist eine reale Gefahr, ein Rammbock gegen jeglichen Fortschritt in sozialen Krisen. Mit Gewalt auf der Straße versucht er jeglichen Widerstand gegen das Kapital unter dem Vorwand des Schutzes von „Nation und Volkskörper“ im Keim zu ersticken. Daher ist es wichtig ihn schon anzugreifen wenn er noch schwach ist, ihn aufzuzeigen wo er sich auch immer verstecken mag, und ihn zu zerschlagen.

Das ist der Grund warum wir gegen Rassismus und besonders gegen Faschismus Proteste, aber auch Selbstverteidigung gegen die Polizei oder gegen Angriffe von Nazis organisieren müssen, mit dem Ziel die reaktionären Versammlungen zu verhindern. Letztlich muss der antifaschistische Kampf aber auch ein antikapitalistischer Kampf sein, welcher soziale Fragen aufwirft und beantwortet, um dem Faschismus seine primäre Basis – das verarmende Kleinbürgertum – zu entziehen.

Revolutionäre Taktik

Dazu müssen alle fortschrittlichen Kräfte gemeinsam ihren Widerstand vereinigen. Wie schon im letzten Jahr müssen wir versuchen den Ball zu blockieren und somit zu unterbinden. Der Erfolg vom letzten Jahr kann den Protest beflügeln und neue Aktivisten und Aktivistinnen anziehen. Doch besteht auch die Gefahr, dass wir Niederlagen erleiden und jeglicher Kampfgeist verblasst, der Widerstand verpufft. Deshalb ist es wichtig sich zu organisieren und den Widerstand zu verstetigen und zu verbreitern. Konsequent zu Ende gedacht führt im Kampf gegen Rechts nichts daran vorbei, die revolutionäre Partei aufzubauen und die kämpfende Arbeiter*innenklasse zu organisieren. Ihre letztendliche Lösung der sozialen Frage, der Abschaffung von Ausbeutung und Unterdrückung, entzieht dem Faschismus seinen Nährboden.