Neue „Junge Linke“: Ein Schritt in die richtige Richtung?

Nach dem letzten Jahr, das sehr geprägt war von langen Überlegungen, was politisch sinnvoll und möglich ist, hatten wir jetzt endlich unseren Gründungskongress als Junge Linke. Da waren viele neue Gesichter, über 100 Leute aus allen Bundesländern, die wahnsinnig motiviert sind und ein klares Ziel haben. Das hilft raus aus der Erschöpfung und gibt neue Kraft.“ So äußert sich Flora Petrik (Bundessprecherin der Jungen Linken) positiv erfreut, wenn auch vielleicht etwas ausgelaugt von ihrem Wahlkampf im Oktober, über die Entwicklung der Jungen Grünen. Oder eher: Der Jungen Linken. Nach langer Vorarbeit und kurzer Diskussion kam es vor kurzem zur Fusion der KPÖ-nahen Jungen Linken und der Jungen Grünen unter dem Namen ersterer. Als Grund für die plötzliche Nähe gibt die nur wenige Monate alte Gruppe an, sich durch die Zusammenarbeit in KPÖ+ näher gekommen zu sein. Schließlich wurde wegen dem gemeinsamen Ziel beschlossen, dass dieselbe Arbeit in zwei unterschiedlichen Organisationen nicht sinnvoll sei. Doch was ist dieses gemeinsame Ziel genau? Beinhaltet es reale Veränderung oder gar revolutionär-antikapitalistische Politik? Um diesen Fragen genauer auf den Grund zu gehen müssen wir uns die Entwicklung der Jungen Linken genauer ansehen.

Endlich Unabhängig?

Die Jungen Grünen haben eine schwierige Zeit hinter sich. Zuerst von der Grünen Mutterpartei verstoßen schlugen die Jungen Grünen Wellen in den Medien, die sie nach kurzer Zeit in die Arme der KPÖ schwemmten. Dort wurde versucht mit der gemeinsamen Wahlplattform KPÖ+ die Bekanntheit und Relevanz innerhalb der politischen Landschaft wieder aufzubauen. Das bescheidene Ergebnis der Wahlen führte aber nicht unbedingt dazu sondern zu einer baldigen Auflösung der Plattform. Der Weg zu einer tatsächlich unabhängigen Jugendorganisation, womit die Gruppe unter den Fittichen der Grünen nicht wirklich Erfahrung sammeln konnte, schien geöffnet . Doch nach nur kurzer Zeit in der sie auf sich alleine gestellt war, ging die Gruppe in der bereits beschriebenen Fusion auf. War das nun ein Bruch mit der politischen Idee der unabhängigen Jugendorganisation? Ja und Nein. Auf der einen Seite ist die Junge Linke nicht die Jugendorganisation der KPÖ sondern hat nur enge Verbindungen zu dieser. Die neue Junge Linke beschreibt sich auch selber als die größte unabhängige Jugendorganisation, identifiziert sich also auch mit dieser Idee. Wichtig ist anzuerkennen warum die politische Unabhängigkeit überhaupt so zentral ist, schließlich scheint doch nichts dabei zu sein, sich von Erfahreneren Leuten helfen zu lassen. Die Jugend wird nur dann zu erfolgreichen Kämpfer*innen für eine bessere Welt wenn sie aus ihren eigenen Fehlern und Erfolgen lernt. Die Junge Linke schafft aber den Abstand nicht ganz, der für so eine Beziehung notwendig wäre. Die finanzielle Abhängigkeit zur KPÖ mag für viele nicht so dramatisch wirken, schließlich sei man ja politisch nicht abhängig. Dass diese zwei Sachen zumeist Hand in Hand gehen, sollte aber gerade die ehemaligen Jungen Grünen am Besten wissen.

Welches Programm?

Abgesehen von der Diskussion über Organisation und Taktik stellt sich eine andere Frage, die am Anfang des Artikels gestellt wurde: Was ist das Ziel? Auf diese Frage bekommt man aus unterschiedlichen Quellen unterschiedliche Antworten. Eine befreite Gesellschaft, eine Gegenbewegung gegen den Rechtsruck, politische Betätigung für Jugendliche, etc. Viel im Selbstverständnis wird offen gelassen oder nur vage angesprochen. Jugendorganisationen haben zwar eine sehr spezielle Rolle im politischen Kampf, da sie primär Leute ansprechen deren politische Meinung sich noch festigen muss und brauchen dafür einen geeigneten zugänglichen Rahmen. Allerdings kann es nicht darum gehen, so offen und plural wie möglich zu sein. Das Programm einer Organisation sollte in Grundausrichtung, Strategie und Taktik so klar sein, wie es zur Erreichung der Ziele notwendig ist.

Parlamentarische Illusionen?

Worauf man am allermeisten stößt in der Frage bezüglich des Zieles, ist eine breite und vielfältige Partei mit parlamentarischer Verankerung. Gedacht ist das primär als Zwischenschritt. Schon im Wahlkampf von KPÖ+ wurde oft genug erwähnt, dass eine Parlamentspartei zu sein nicht alles ist. Vielmehr ginge es um die Bewegung auf der Straße und wie viele Leute hinter einem stünden. Doch für diese Aussagen hat sich die Forderung nach einer parlamentarischen Partei recht dominant in das Programm der Jungen Linken hineingeschlichen. Die Frage, die sich stellt: Geht es hier wirklich bloß um eine Frage von Taktik oder ist bei der Jungen Linken doch mehr von ihren reformistischen Wurzeln übrig geblieben als bisher gedacht? Es ist sicherlich richtig, dass Veränderung und Überzeugung ein Weg ist, der manchmal Schritt für Schritt gegangen werden muss, und das Parlament kann dabei als Bühne hilfreich sein. Es ist aber kein Mittel zur Überwindung des Kapitalismus. Dafür braucht man organisierte Arbeiter*innenmacht, die schlichtweg komplett ausgelassen wurde.

Einer Jugendorganisation mit antikapitalistischem und unabhängigen Anspruch aus den Reihen der Grünen ist auf jeden Fall eine wichtige Entwicklung. Die entscheidende Frage ist aber, ob wir dabei einen Jugendabklatsch der KPÖ und ihrer reformistischen Politik geliefert bekommen oder eine ernsthafte antikapitalistische Organisation die eine breite Plattform für Jugendliche bieten kann.