Der Spanische Bürger*innenkrieg: 80 Jahre nach der Niederlage

1936 fand eine Auseinandersetzung statt, die in den meisten internationalen Medien als entscheidender Kampf zwischen Faschismus und Demokratie beschrieben wurde, als letzte Chance den faschistischen Systemen in Deutschland und Italien als „freie“ Länder etwas entgegenzusetzen. Das wahre Gesicht des Spanischen Bürger*innenkriegs war aber ein anderes. Tatsächlich ist dieser Konflikt ein Paradebeispiel für das Versagen der internationalen Führung der Arbeiter*innenklasse.

Die Aktionen der Kommunistischen Internationale verdeutlichten ein weiteres Mal welchen konterrevolutionären Charakter der Stalinismus angenommen hatte und das Unvermögen, mit den Internationalen Brigaden gemeinsam etwas gegen den aufkeimenden Faschismus zu tun war ein weiteres Armutszeugnis, das den Verlauf des 2. Weltkriegs schon erahnen ließ. Anlässlich des 80. Jubiläums bietet es sich an, diesem historischen Ereignis noch einmal die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die ihm gebührt und sich auch weiterhin zu fragen welche Aktualität die Lehren des Spanischen Bürger*innenkriegs hat.

Vorboten des Bürger*innenkrieges

Die politische Situation in Spanien war, wie in vielen Ländern Europas kurz vor 1936, äußerst strapaziert. Seit der Gründung der 2. Spanischen Republik hatten sich klare Fronten zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung abgezeichnet. Das vollkommen verarmte Industrie- aber vor allem Landproletariat lebte seit Jahren in einer halbfeudalen Wirtschaft und stand den Großgrundbesitzern, die ein Drittel des Landes besaßen, gegenüber. Hinzu kommt, dass in Spanien, durch die Wirtschaftskrisen stark getroffen, seit dem Zusammenbruch von der Militärdiktatur Miguel Primo de Riveras (durch dessen „Reformen“ eine Inflation ausgelöst wurde und das spanische Königshaus jede Relevanz verlor, dass es noch hatte) politische Instabilität vorherrschte. 1931 fanden Gemeinderatswahlen statt, die die antimonarchistische und antidiktatorische Stimmung der spanischen Bevölkerung verdeutlichten und König Alfons XIII. zur Flucht zwangen. Das Ergebnis der Wahlen ermöglichte eine Koalition zwischen der sozialdemokratischen PSOE und kleineren Parteien, die aber bereits 1933 wieder abgelöst wurde. Im späteren politischen Verlauf kam Lerroux an die Macht, dessen Regime weitere Verschlechterungen im Leben der Arbeiter*innenschaft mit sich brachte.

Die Arbeiter*innenklasse Spaniens war zu diesem Zeitpunkt bereits geprüft und kampfbereit, sie zählte praktisch zum entschlossensten Teil der Klasse Europas, wie die Proteste und Streiks rund um 1930 verdeutlicht hatten. Die meisten waren bereit für ihre Rechte zu kämpfen, viele auch für mehr. Besonders stark war diese radikalisierte Arbeiter*innenklasse durch das große Ausmaß gewerkschaftlicher Organisierung. Zu den größten Gewerkschaften zählte die anarchosyndikalistische CNT unter Leitung der FAI (z.B., war ihr Aufruf zur Enthaltung bei der Wahl ein Grund weshalb die bürgerliche Allianz CEDA 1934 gewinnen konnte), neben der starken, traditionellen UGT der Sozialdemokratie. Weitere wichtige Parteien neben der PSOE waren die POUM und die stalinistische PCE die ab Februar 1936 alle gemeinsame Volksfrontregierung stellten.

Diese konnte durch den Rückhalt der Anarchist*innen, die ja einiges an Bedeutung in Spanien hatten, und den baskischen Nationalist*innen, gegen die Fronte Nacionale der CEDA und anderen klerikal- bis faschistischen Parteien bestehen. Diese Teile zettelten einen Putsch an, der die linke Regierung wieder entmachten sollte. Der Stein wurde mit der Ermordung des Monarchisten und Falangisten José Calvo Sotelo ins Rollen gebracht und unter der Führung Francos (der zuvor schon bei der Niederschlagung von Streiks und Protesten in Asturien 1934 stark beteiligt war) wurde der Putsch fixiert. Die Volksfrontregierung und die Arbeitenden Massen wehrten sich gegen die Rechten, der Spanische Bürger*innenkrieg hatte begonnen.

Wie bereits erwähnt war das politische Spektrum in Spanien relativ breit gefächert. Abseits von den starken gewerkschaftlichen Blöcken, waren noch die (meist unweigerlich miteinander verbundenen) Parteien ein prägender Teil dieser Zeit. Spannend, vor allem für die Ereignisse in Katalonien, ist die POUM, eine oft fälschlicherweise als trotzkistisch bezeichnete Gruppe, die zu gewissen Zeitpunkten um einiges mehr Relevanz hatte, als die offizielle Kommunistische Partei Spaniens. Trotz ihrer im spanischen Konflikt linken Position hat sich die POUM kurzzeitig an der Volksfront und damit einer bürgerlichen Regierung beteiligt und damit ihren zentristischen Charakter offen gelegt. . Vor allem ihr Konflikt mit der stalinistischen PCE oder mit der Vereinigten Sozialistischen Partei Kataloniens PSUC prägte die politischen Positionen und Agitationsformen der POUM.

Die Rolle der Volksfront

Was bei dem Wort „Bürger*innenkrieg“ mitschwingt ist eigentlich nur zu einem kleinen Teil das, was tatsächlich in Spanien 1936 bis 1939 passiert ist. Richtiger wäre es von einer vergessenen Revolution, oder einem verratenen Aufstand zu sprechen. Verraten gerade durch die Kräfte, die eigentlich auf der Seite der Volksfront kämpften, durch die Politik der 3. Internationale, die doch tatsächlich am vehementesten einer sozialistischen Revolution entgegenzuwirken wusste. Zu begründen ist das mit den Beziehungen der Sowjetunion speziell zu England und Frankreich, von denen eine Zusammenarbeit mit Hitlerdeutschland im Falle einer erfolgreichen Revolution in Spanien befürchtet wurde. Doch auch die Volksfrontregierung selbst war in ihren Entscheidungen und Beschlüssen tatsächlich lähmend für die spanischen Aufständischen. Trotz ihrer vergleichsweisen fortschrittlichen Programmatik arbeiteten CNT und POUM letzten Endes doch wieder Seite an Seite mit Azana und ersetzen ihre revolutionäre Rhetorik durch reformistische Praxis.

Es muss gesagt werden, dass der revolutionäre Kampf gegen den Faschismus vom Proletariat selbst ausging. Als am 19. Juli 1936 die Gegenmilizen Gestalt annahmen, war wenig spürbar von Unterstützenden Maßnahmen der Volksfrontregierung. In nur wenigen Tagen konnten diese von unten organisierten Milizen Barcelona, Katalonien, Madrid und Málaga zurückerobern, ohne dabei das Baskenland an die Faschisten zu verlieren. Dort wo sie die Macht hatten gründeten die Arbeiter*innen Räte, beschlagnahmten das Privateigentum der Kapitalist*innen und kollektivierten das Land der Großgrundbesitzer*innen, all dies ohne eine anführende Massenpartei. Dieses Potenzial unbeachtet zu lassen, oder Forderungen solche Maßnahmen erst nach dem Krieg zu ergreifen,, waren nichts anderes als Ausflüchte und Ausreden.

Ende des Konflikts

Das Ende des Spanischen Bürger*innenkrieges wurde offiziell am 1. April 1939 verkündet, doch bereits bei den Einnahmen der strategischen Zentren wie Madrid und Barcelona durch die Faschisten war klar, dass dieser Konflikt schon kurz vor dem Ende stand. Die Volksfrontregierung hatte zum Teil sogar vor den letzten Kampfhandlungen aufgegeben, unter anderem verließ Negrin, Führer der PSOE, bereits im März Spanien. Die Franquist*innen hatten nun allem Anschein nach wirklich gesiegt. Damit kam natürlich ein neues Problem. Der Sieg des spanischen Faschismus ließ die Welt nun tatsächlich drei geteilt wirken. Im Osten der Stalinismus, in Teilen Europas die faschistischen Regime Francos, Hitlers und Mussolinis und das bürgerlich-demokratische Europa. Kurz darauf folgte ja auch tatsächlich die Entladung der imperialistischen Konflikte im 2. Weltkrieg.

Francos Regime hielt sich fast 40 Jahre lang und der tatsächliche Übergang zu einem demokratischen System passierte danach quasi fließend, ohne Umbruch oder Revolution. Illusorisch wäre es zu sagen, dass damit doch im Endeffekt alle gewonnen hätten. Was für Auswirkungen eine siegreiche Revolution auf Seiten der Arbeiter*innen für eine internationale, antifaschistische Bewegung haben hätte können, ist trotzdem natürlich schwer einzuschätzen. Tatsache aber ist, dass die Schuld am Verlust der linken Kräfte nicht an mangelhafter Kampfausbildung oder unzureichender Versorgung der Milizen mit Waffen lag (was sicherlich auch enorme Probleme darstellten), sondern an der (fehlenden) Führung. Eine revolutionäre Bewegung kann spontan aus den Massen entstehen, angeleitet muss sie aber von einer Partei werden, die keine Angst davor hat die richtigen Forderungen aufzustellen und die Bewegung koordiniert im richtigen Moment zum Sieg führen kann.

Die Aktualität von den Fragen, die im ersten revolutionären Aufbegehren von Arbeiter*innen im Europa des 20. Jahrhunderts aufgeworfen wurden, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch heute muss klar sein, dass die Illusion des Reformismus, wie sinnvoll oder friedlich sie einem erscheinen mag, in welcher Form sie auch Auftritt (wie im spanischen Bürger*innenkrieg als Anarchosyndikalismus und der Volksfrontregierung) und welche Versprechen sie gibt, die Arbeiter*innenklasse immer in die Falle führen wird.