Arbeit für alle!

Gerd Arntz: Piktogramm für "Arbeitslose"

Gerd Arntz: Piktogramm für „Arbeitslose“

Die Arbeitslosigkeit in Österreich nimmt stetig zu. Vergleicht man die Zahlen vom Jänner mit den Daten aus dem Vorjahr, erhält man einen Zuwachs von 3,7%, in Wien sogar 9,9%. In der ohnehin schon aufgeheizten Stimmung suchen unsere werten Politiker*innen nun nach wehrlosen Gesellschaftsgruppen, denen sie die Schuld zuschreiben können. Vom Standpunkt der Arbeitenden erteilen wir diesem Ansinnen eine klare Absage: Wir lassen uns nicht ausspielen, denn Eure steigenden Statistiken haben sicher nicht wir Arbeiter*innen verschuldet!

Während im Vorjahr die Probleme von Expert*innen und Medien noch als teils hausgemacht, teils zufällig betrachtet wurden, kristallisieren sich nun langsam Feindbilder heraus: Die Spanne reicht dabei von Flüchtlingen über EU-Pendler*innen bis zu Arbeitslosen, die einfach zu faul wären, sich einen Job zu suchen. Wie beliebig diese Zuschreibungen oft sind, lässt sich an der schwankenden öffentlichen Debatte ablesen: So dachte z.B. Finanzminister Schelling bereits im Sommer offen darüber nach, die Mindestsicherung zu kürzen, um „Arbeitsanreize“ zu schaffen. AK-Direktor Muhm wiederum erklärte Anfang Februar, dass die Arbeitslosigkeit vor allem daher rühre, dass so viele Osteuropäer*innen unseren Arbeitsmarkt fluten. Wo liegt jetzt also das Problem? Gibt es genug Stellen und alle Arbeitslosen sind einfach zu faul sich zu bewerben? Oder gibt es keine Stellen, weil die Osteuropäer*innen den Österreicher*innen den Arbeitsplatz wegnehmen?

Arbeitslosigkeit fällt nicht vom Himmel

Wir sind so sehr von den Reden der Politiker*innen und Nachrichtensprecher*innen verblendet, dass wir die einfachste Frage zum Thema gar nicht stellen: Warum gibt es überhaupt Arbeitslose? Existiert etwa nicht genug Bedarf?

Arbeitslosigkeit ist ein sehr modernes Problem, das erst mit dem Kapitalismus und der Lohnarbeit relevante Bedeutung erlangte. Für einen Lohn zu arbeiten war nicht immer der Normalzustand. Lohnarbeit gibt es erst seitdem unsere Wirtschaft von großen Institutionen, wie Manufakturen und Fabriken, beherrscht wird. Solche Institutionen erforderten viel Kapital, das nur ein kleiner Teil der Gesellschaft aufbringen konnte – das Bürgertum. Dadurch entstand eine Herrschaft weniger Menschen über einen Großteil. Wir Arbeiter*innen waren und sind in Folge darauf angewiesen unsere Arbeitskraft zu Markt zu tragen, uns in Bewerbungen anzupreisen, etc. Damit unterwerfen wir uns automatisch den Bedingungen dieses „Arbeitsmarkts“.

Da unsere Wirtschaft nicht nach den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, sondern vor allem danach Profite zu maximieren, wird jede Möglichkeit Kosten zu minimieren entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens. Heutzutage übernehmen auch die Reste des sogenannten „Sozialstaats“ die Rolle der Profitmaximierer. Auch staatliche soziale Einrichtungen müssen schwarze Zahlen schreiben. Unsere Regierung neigt deshalb dazu, aus Kostengründen Sozialabbau zu betreiben. Damit zerstört sie das, was vor allem die sozialdemokratische Basis vor 100 Jahren erkämpft hat. Am meisten leiden neben den darauf Angewiesenen die Beschäftigten, z.B. in den Kindergärten oder Krankenhäusern – denn nach außen will man das Bild des Sozialstaats waren. In der Regel gibt es dann einen gratis Kindergarten, aber nicht genug Personal. Die Arbeiter*innenklasse ist eben am einfachsten auszuquetschen. Die Chefs und Eigentümer wollen uns deshalb immer erklären, dass es manchmal  halt notwendig ist, Kolleg*innen zu entlassen, Stellen nicht nachzubesetzen oder den Lohn dieses Mal trotz Inflation nicht zu erhöhen. Die Arbeitslosigkeit fungiert dabei als Druckmittel von unten: Wir alle haben Angst arbeitslos zu werden, wenn wir allzu aufmüpfig sind und unsere Interessen verteidigen.

Eine Antwort der Arbeiter*innen & Arbeitslosen

Wenn man nicht das Glück hat in einer Branche beschäftigt zu sein, in der zur Zeit Arbeitskräftemangel herrscht, kann Arbeitslosigkeit jeden treffen. Arbeite*innen und Arbeitslose sollten deshalb auch ein gemeinsames Verständnis von dieser Problematik entwickeln. Wir dürfen uns nicht mit dem Arbeitsmarkt identifizieren und in die Hetze der Kapitalist*innen einspannen lassen. Unsere Perspektive ist eine, die sich nicht mit dem Rahmen des Kapitalismus zufrieden gibt: Arbeit für alle und in der Folge Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Lohn.

Aus der Sicht unserer offiziellen VertreterInnen in Politik und Gewerkschaft ist das natürlich Träumerei, aber mal ehrlich: Was ist für sie keine Träumerei? Die Lohnsteuerreform war ein schlechter populistischer Witz und die Lohnerhöhungen fallen fast immer niedriger als die Inflationsrate aus. Die Situation der Arbeiter*innen wird schlechter und schlechter in fast allen Bereichen, ohne dass jemand etwas dagegen tut. Wenn wir wollen, dass sich etwas ändert, müssen wir selbst dafür eintreten und uns im Betrieb und außerhalb organisieren! Wir müssen anfangen endlich an uns selbst zu denken und an die Bedürfnisse unserer Klasse. Dann können die da oben einpacken! Nicht um sonst heißt ein alter Spruch: Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!