Akademikerball 2015: Dieser Tanz muss der letzte sein!

Ball_des_Wiener_Korporationsrings_2002Mittlerweile ist sie die bedeutendste linke und antifaschistische Mobilisierung Österreichs, die Demonstration gegen den „Wiener Akademikerball“. 2013 das erste mal durch die Wiener FPÖ organisiert, ist das „Tanzevent“ nichts anderes als die Fortsetzung des Burschenschafter-Balls vom weit rechts stehenden „Wiener Korporationsring“ (WKR), der jährlich in der Hofburg abgehalten wird. In diesem Verband tummeln sich einschlägige, deutschnationale Burschenschaften wie die „Olympia“, „Teutonia“ oder die „Bruna Sudetia“, die vom „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“ (DÖW) als rechtsextrem eingestuft werden.

Keineswegs harmlos, keineswegs unpolitisch

Die FPÖ versucht die rechts rechte Zusammenrottung als ungefährlichen und eigentlich unpolitischen „Wiener Traditionsball“ hinzustellen. Aber genau dieses Weißwaschen eines erzrechten Umtriebs macht den „Akademikerball“ so brandgefährlich. Die „Olympia“ beherbergte den Neonazi Norbert Burger, der sich in terroristische Aktivitäten in Südtirol verstrickte, deshalb von einem italienischen Gericht zu 28 Jahren Haft verurteilt wurde und in Österreich die Nationaldemokratische Partei (NDP) gründete (nach dem Verbotsgesetz aufgelöst). Die „Teutonia“ stellt den Vorsitz der „Deutschen Burschenschaft“, was als Rechtsruck im Dachverband gewertet wird und machte 2012 mit einem Flugblatt auf sich aufmerksam, das sich über den Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Ariel Muzicant lustigt macht. Darin machen die Teutonen mit Aussagen wie „in Wien bestimmt Ariel Muzicant, wer tanzen darf und wer nicht“ oder er „bevorzugt eine andere Art von Logen – Freimaurerlogen!“ verschwörerischem Antisemitismus alle Ehre. Die „Bruna Sudetia“ rühmte sich kürzlich auf ihrer Facebook-Seite mit ihrer Teilnahme an der PEGIDA-Demonstration am 15. Dezember in Dresden „mit über 60 Verbandsbrüdern“ um gegen den Islam zu hetzen und die „deutsche Volks- und Kulturgemeinschaft“ zu beschwören. Diese Beispiele zeigen sehr gut wes Geistes Kind diese studentischen Verbindungen sind. Sie sind Horte für ein akademisch-rechtsradikales Milieu, das nur all zu gut versucht seinen Einfluss auf Politik und Wirtschaft über seine Verbindungen in die FPÖ auszuüben.

Offensiv dagegen stellen

Die „Offensive gegen rechts“ (OgR) hat es sich zur Aufgabe gemacht als ein breites, linkes Bündnis gegen den Burschenschafter-Ball zu mobilisieren um ihn zu verhindern. Sie organisiert dafür eine Demonstration am 30. Jänner, um 17 Uhr bei Schottentor in Wien, an deren Anschluss drei Blockadepunkte besetzt werden sollen. Über dieses Konzept wurde schon in der Vergangenheit versucht die Anreise der Rechten zu behindern und den Ball zu einem Desaster zu machen. Wir unterstützen das Bündnis OgR weil wir es für notwendig halten die Rechten politisch zu konfrontieren. Oftmals wird dagegen behauptet die Demonstrationen geben der FPÖ und den Burschenschaften nur die Aufmerksamkeit die sie brauchen. Wir denken FPÖ und Burschenschaften haben neben negativer Publicity genug Möglichkeiten sich öffentlich darzustellen und es wäre fataler wenn sie ihre reaktionären Ideen widerspruchslos salonfähig machen können. Die letzten Jahre haben auch gezeigt, dass die Proteste eine öffentliche und kritische Auseinandersetzung mit der Problematik von Burschenschaften bewirken konnten. Natürlich versucht die FPÖ in alt bekannter „Täter-Opfer-Umkehr“ von den Gegenaktionen zu profitieren indem sie sich als Unschuldslamm und Verteidigerin demokratischer Rechte aufspielt. Die Medien haben den „Freiheitlichen“ einen großen Gefallen getan indem sie geringe Ausschreitungen zwischen Polizei und Autonomen und ein paar zu Bruch gegangene Scheiben schon fast wie einen von linksradikalen angezettelten Bürgerkrieg heran phantasierten. Wir wollen den unnötig verursachten Sachschaden keineswegs verteidigen, allerdings zeigt die medial geschaffene Hysterie vor „dem schwarzen Block“ und die vergleichsweise geringe Problematisierung von rechten bis rechtsradikalen Verbindungen in der Hofburg, wie gesellschaftsfähig Rassismus, Nationalismus und Sexismus in unserer Gesellschaft bereits sind.

Gemeinsam gegen Repression

Die Proteste gegen den WKR-Ball waren immer schon Ziele von Polizeirepression! 2010 und 2011 wurden Demonstrationen sogar im Vorfeld untersagt mit der Begründung, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte(!). Das wurde im Nachhinein sogar vom Verfassungsgerichtshof als verfassungswidrig verurteilt. Der Ball-Veranstalter und FP-Gemeinderat Udo Guggenbichler versucht ein solches Verbot offenbar einzufädeln und antifaschistische Gruppen schon im Vorfeld zu kriminalisieren: er hat Sachverhaltsdarstellungen bei der Staatsanwaltschaft eingebracht um zu prüfen ob die Blockade-Aufrufe Straftatbestände erfüllen, mit dem Ziel Anzeige zu erstatten. Aber auch wenn das nicht durchgeht müssen wir uns erneut auf Polizeigewalt und willkürliche Verurteilungen wie im Fall von Josef S. einstellen. Dagegen hilft nur eine Waffe: unsere Solidarität!