Zur Gleichstellung der Frauen in Österreich

rosesAm 19. März 1911 wurde der Frauentag zum ersten Mal in Österreich gefeiert. Seither hat sich vieles verändert: Bedeutende Frauenrechte konnten erkämpft werden und gerade auch die wirtschaftliche Entwicklung hat die Stellung der Frau in der Gesellschaft verändert. Doch von einer wirklichen Gleichberechtigung kann auch nach über 100 Jahren immer noch nicht die Rede sein. Wir nehmen den diesjährigen internationalen Frauentag am 8. März 2014 als Anlass, um einen Blick auf die Lage der Frauen in Österreich zu werfen.

Anfänge und wichtige Errungenschaften

Die Ursprünge der Frauenbewegung entspringen den Ideen der Aufklärung die den ersten Ansatz ihrer Verwirklichung in der Französischen Revolution sahen. Doch der Kampf gegen die gesellschaftliche Unterdrückung der Frauen ist viel enger verknüpft mit der sozialistischen Arbeiter*innenbewegung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Auf Initiative der deutschen Sozialistin Clara Zetkin wurde die Durchführung eines internationalen Frauentags auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen im Jahr 1910 beschlossen. Der Tag sollte zum Kampf für das Frauenwahlrecht genutzt werden. Später erklärte die Zweite Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau 1921 den 8. März zum Internationalen Frauentag. An diesem Tag (23. Februar nach altem julianischen Kalender) des Jahres 1917 streikten die Frauen von St. Petersburg und stießen damit die Februarrevolution los, die den verhassten Zaren stürzte. Erst 1977 erklärte die UNO diesen Tag zum Internationalen Frauentag.

Nach dem Zusammenbruch des Habsburger-Reichs mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg galt mit der Errichtung der Ersten Republik im Jahr 1918 das allgemeine und gleiche Wahlrecht nun auch für Frauen, nachdem Wahlrecht ab 1907 schon für Männer existierte. Damit war eine zentrale Forderung der bürgerlichen Frauenbewegung erfüllt, um die Gleichstellung der Frauen voranzutreiben reichte das aber noch lange nicht aus.

Die Entwicklung des Kapitalismus selbst zog im 20. Jahrhundert auch vermehrt Frauen in die Produktion, was ihre ökonomische Unabhängigkeit von Männern beförderte. Ein wesentlicher Faktor dabei war der Bedarf an Lohnarbeitskräften zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber schon in den beiden Weltkriegen selbst mussten viele Frauen als überausgebeutete Arbeitskräfte die Tätigkeiten jener Männer übernehmen, die an die Front geschickt wurden. Es war gerade die Einbeziehung in den Produktionsprozess, die die gesellschaftliche Lage der Frauen bedeutend veränderte. Heute sind 67,3% (Erwerbsquote 2012) jener Frauen im arbeitsfähigen Alter (15-64 Jahre) erwerbstätig.

Ein bedeutender Schritt der Frauen in Österreich zur Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper war das bedingte Recht auf Abtreibung. Die so genannte„Fristenlösung“, die im Jahr 1975 durch die Stimmen der SPÖ gegen ÖVP und FPÖ in Kraft trat, besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 12 Wochen zwar nicht erlaubt, aber straffrei bleibt. Die Kosten sind nach wie vor von der Frau selbst zu tragen, die Krankenkasse übernimmt keinen Teil. Gerade für Frauen aus der Arbeiter*innenklasse ist es oft schwierig die Kosten dafür in so kurzer Zeit aufzubringen.

Das Gleichbehandlungsgesetz von 1979 untersagt Diskriminierungen verschiedener Arten in der Arbeitswelt wie etwa beim Entgelt, Beförderungen oder betriebliche Aus- und Weiterbildung. 2008 und 2011 wurde es novelliert und damit auch auf einige Bereiche außerhalb der Arbeitswelt angewandt.

Unbedingt notwendig war die Novellierung des Sexualstrafrechts, damit Vergewaltigung und Nötigung auch in der Ehe strafbar wurden. Dass dieser Schritt erst im Jahr 1989 getätigt wurde, ist besonders bedenklich.

1997 wurde das so genannte „Gewaltschutzgesetz“ erlassen, das vor häuslicher Gewalt schützen soll. Das Gesetz, das nicht nur für Frauen ausgelegt ist, beinhaltet unter anderem die Möglichkeit zur Wegweisung gewalttätiger Personen, sowie auch die einstweilige Verfügung, also der längerfristige Schutz einer Person vor Gewalt oder zum Schutz der Privatsphäre.

Der Weg ist noch weit

All diese gesellschaftlichen Entwicklungen und Gesetze, die zur Besserung der Lage der Frauen beitrugen waren sehr bedeutend. Die weiterhin bestehenden Ungleichheiten und Diskriminierungen zeigen jedoch, dass die reine rechtliche Gleichstellung der Frauen mit Männern, so konsequent sie auch durchgeführt sei, nicht ausreicht um Frauenunterdrückung und geschlechtsspezifische Ungleichheit aus der Welt zu schaffen.

Ein wichtiger Indikator zur Veranschaulichung der existierenden sozialen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist der „Gender Pay Gap“. Wenn man das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen von unselbständigen Beschäftigten nimmt und jenes der Männer mit jenem der Frauen vergleicht, ergibt sich ein Einkommensunterschied von rund 40% (Zahl Statistik Austria 2011). Ein wichtiger Grund dafür ist die hohe Teilzeitbeschäftigung von Frauen. 2012 waren etwa 45,4% aller unselbständig beschäftigten Frauen in Teilzeit beschäftigt, bei den Männer waren es hingegen nur 7,7%. Laut dem Frauenbericht 2010 gaben im Jahr 2008 307 000 von 776 000 teilzeitbeschäftigten Frauen als Grund dafür Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene an. Aber auch wenn man nur die Vollzeitbeschäftigten betrachtet beträgt die Differenz immer noch 18,5%. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass Frauen in besser bezahlten Berufen weniger vertreten sind. Doch auch Jobs, die traditionell weiblich dominiert sind werden oftmals geringer entlohnt als gleichwertige, traditionell männliche. Außerdem ist zwar unterschiedliche Entlohnung auf Grund des Geschlechts durch das Gleichbehandlungsgesetz verboten, kommt aber trotzdem vor.

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Hausarbeit, die noch immer überwiegend von Frauen verrichtet wird. Dabei sollen bedeutende Verbesserungen nicht verschwiegen werden: Laut der Zeitverwendungserhebung von 2008/09 verrichten rund 92% der Frauen Arbeiten im Haushalt und 74% der Männer. Damit hat sich der Anteil der Männer, die sich an der Hausarbeit beteiligen seit Anfang der 80er-Jahre von einem Viertel auf fast drei Viertel erhöht. Das sagt aber noch nichts über die Intensität aus. Frauen wenden etwa vier Stunden täglich für kochen, waschen, putzen und einkaufen auf, während es bei Männern nur etwa zwei ein halb Stunden sind. Das zeigt, dass das traditionelle Rollenbild der „Hausfrau“ längst nicht überwunden ist. Das hängt aber nicht einfach nur mit einem alteingesessenen patriarchalischen Bewusstsein zusammen, sondern ein solches hängt wechselseitig gerade auch mit Ausbildung, Beschäftigung, Kindererziehung und Haushalt zusammen.

Auch Kinderbetreuung ist noch mehrheitlich „Frauensache“ in Österreich. In der Zeitverwendungserhebung finden sich Statistiken zu Paarhaushalten mit mindestens einem Kind unter 16 Jahren. Es zeigt sich, dass Frauen in allen Bereichen der Kinderbetreuung mehr Zeit pro Tag aufwenden als Männer. Beispielsweise kümmern sich 61% dieser Frauen um tägliche Körperpflege des Kindes, während dies nur 36% der Männer angeben. Der Bereich wo sich am ehesten annähernd gleicher Zeitaufwand findet ist das Spielen mit dem Kind.

Die Diskriminierung von Frauen findet ihren Ausdruck jedoch nicht nur in den materiellen Sphären von Wirtschaft, Haushalt und Familie sondern gerade auch in der Ideologie als Sexismus. So ist es eigentlich unmöglich sich einem gesellschaftlich vermittelten Bild zu entziehen, das Frauen als Objekte sexueller Begierde darstellt. Sei es in der Werbung, im Unterhaltungsbereich (Film, Musik, Videospiele) oder in der Mode, überall wird der Frau vermittelt, sie müsse schlank, schön und leicht bekleidet sein. Das muss nicht mit der Vermittlung eines traditionellen Rollenbildes von Frauen einhergehen, häufig überschneiden sich diese zwei Eindrücke aber. Auch in der Partnerschaft ist Sexismus weit verbreitet. Beispielsweise gilt eine Frau sehr schnell als „Schlampe“ wenn sie viele oder häufig wechselnde Partner hat während ein Mann, auf den ein solches Verhalten zutrifft, eher als „Player“ betrachtet wird. Ähnlich verhält es sich mit sexistischen Beleidigungen im alltäglichen Sprachgebrauch.

In vielen Fällen bleibt es leider nicht bei verbalem Sexismus. Die Gewaltprävalenz-Studie Österreich 2011 zeigt, dass drei Viertel der Frauen schon einmal sexuell Belästigt wurden, während unter Männern nur ein Viertel eine solche Erfahrung gemacht hat. Das wurde von etwa 30% der Frauen als bedrohlich empfunden, hingegen von Männern nur von 5,6%. Sexuelle Gewalt haben laut der Studie 29,5% der Frauen und 8,8% der Männer erfahren. Dabei sind sexuelle Handlungen oder versuchte sexuelle Handlungen gegen den Willen der Betroffenen gemeint. Jede vierte Frau in Österreich wurde schon einmal Opfer einer Vergewaltigung. Hier zeigen sich bedeutende Unterschiede zu Männern, wobei sexuelle Gewalt eine Form der Unterdrückung ist die unter anderem auch besonders starke psychische Belastungen verursacht.

Darüber hinaus gibt es noch genug Situationen in denen Frauen die verschiedensten Formen der Diskriminierung erfahren. Sie alle aufzulisten ist wahrscheinlich eine Unmöglichkeit, der Sinn an dieser Stelle sollte aber auch nicht eine möglichst vollständige Auflistung verschiedener Ausprägungen der Frauenunterdrückung sein, sondern das Aufzeigen der bedeutendsten Problembereiche.

Proletarische Frauenbewegung

Zur Gleichstellung der Frau benötigt es also auch einen Kampf gegen sexistische Verhaltensweisen, traditionelle Rollenbilder und soziale Ungleichheit. Einen solchen Kampf kann auch das beste Gesetz nicht einfach ersetzen. Die Funktionsweise des Kapitalismus selbst ist die Bedingung unter der Frauenunterdrückung weiter existiert und diese auch reproduziert. Auch wenn Kapitalismus in der Theorie auch ohne Frauenunterdrückung existieren könnte ist dieses System nicht in der Lage eine wirkliche Gleichstellung der Geschlechter zu erzielen. Zu sehr scheitert der Kapitalismus daran, dass Diskriminierung einfachere Möglichkeiten zur stärkeren Ausbeutung schafft, etwa wenn Frauen bei der Jobvergabe benachteiligt werden, weil sie Kinder bekommen könnten. Diese Tendenz zur Ausbeutung und Unterdrückung gepaart mit einer prinzipiellen Anfälligkeit des Systems zu Krisen beinhaltet auch die ständige Gefahr zur Rücknahme sämtlicher Errungenschaften von Frauen und zur Verschlechterung ihrer gesellschaftlichen Lage. Aus diesem Grund muss der Kampf für Frauenbefreiung immer auch ein Kampf für Sozialismus sein, wenn er konsequent geführt werden soll.

Um die dringendsten Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern zu beseitigen braucht es eine proletarische Frauenbewegung. Diese muss einen konsequenten Kampf um zentrale Forderungen zur Gleichberechtigung führen und darüber hinaus gesellschaftlichen Druck erzeugen, um sexistisches Verhalten und traditionelle Rollenbilder zurück zu drängen. Die Gewerkschaften müssen groß angelegte Kampagnen zur Organisation von Frauen durchführen und alle Diskriminierungen in Betrieben bekämpfen. Weiters benötigt es spezielle Förderungen um Frauen in ihren Ausbildungen zu unterstützen, gerade auch um traditionelle Rollenbilder im Arbeitsleben aufzubrechen.

Wichtige Forderungen sollten unter anderem sein:

  • Reduzierung der Arbeitszeit und gerechte Aufteilung der Arbeit und Reproduktionsarbeit (Hausarbeit & Kindererziehung) auf beide Geschlechter!

  • Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit!

  • Vergesellschaftung der Haus- und Reproduktionsarbeit! Für billige Kantinen in Betrieben und Stadtteilen sowie gratis Waschküchen in Wohnhäusern und Wohnblocks! Flächendeckender Ausbau und kostenlose, qualitativ hochwertige Krabbelstuben und Kindergärten!

  • Kostenlose und unbefristete Möglichkeiten zur Abtreibung!